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Designerin Leyla Piedayesh und ihre iranische Tafelrunde

Leyla Piedayesh gründete das Modelabel Lala Berlin.
Leyla Piedayesh gründete das Modelabel Lala Berlin.Callwey
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Die Berliner Designerin Leyla Piedayesh lässt in einem neuen Buch deutsche Frauen mit iranischen Wurzeln zu Wort kommen. Anlass für die Publikation war der Kampf für Frauenrechte im Iran.

Zunächst wurde das Projekt, über ihre Arbeit als Modedesignerin – dank ihres Labels Lala Berlin eine der prominentesten in Deutschland – in Buchform zu erzählen, an Leyla Piedayesh herangetragen. Genau in diese Phase fielen jedoch die Protestwellen iranischer Frauen nach dem Tod von Mahsa Amini im Gefängnis, nachdem die iranische Sittenpolizei sie verhaftet hatte. „Mir wurde klar, dass das unser Thema sein musste“, sagt sie heute. Aus der Ferne wollte Piedayesh sich mit den iranischen Frauen solidarisieren; den Protestruf „Zan, Zendegi, Azadi“, also Frau, Leben, Freiheit, habe sie in dieser Phase ständig im Kopf gehabt. „Von den Gefühlen überrannt“ sei sie damals gewesen, weshalb sie das Thema der Freiheit der Frau und die Anliegen der Frauenbewegung – „im Iran, aber in allen Ländern der Welt“ – aufgreifen wollte.

Der Untertitel des in diesem Frühjahr erschienenen Buches gibt das Programm vor, nämlich: „Mut, Heimat und die Schönheit des Lebens“. Piedayesh versammelte Frauen, wie sie selbst mit iranischen Wurzeln, aus ihrem erweiterten Netzwerk, das parallel zur Arbeit am Buch anwuchs. „Die meisten kannte ich durch meine Arbeit mit Lala Berlin, Ausstellungen, Modeschauen.“ Verstärkt wurden diese Verbindungen durch die Aktivitäten im Umfeld der Demonstrationen des Sommers 2022. „Alle tragen denselben Schmerz in sich“, sinniert Piedayesh, „man klickt anders“.

Tabatabai, Keyhani, Sodoudi: prominente Namen

Das Buch ist eine Sammlung von Porträts: Frauen erzählen aus ihrem Leben, und von ihren Assoziationen mit dem Land, das sie oft als Angehörige der zweiten Generation nur von fern kannten. Unter ihnen finden sich etwa die Hutmacherin Maryam Keyhani, die Sängerin und Schauspielerin Jasmin Tabatabai, auch Sahar und Forough Sodoudi, Wissenschaftlerinnen und Gastronominnen. Leyla Piedayesh selbst ging mit ihrer Mutter 1979 aus dem Iran fort. Der Vater folgte später, doch in Wiesbaden stießen sie zu dem bereits in Deutschland lebenden Teil der Familie.

Die Aufnahme von Teheran erinnert Piedayesh an ihre Kindheit.
Die Aufnahme von Teheran erinnert Piedayesh an ihre Kindheit.Oliver Helbig

So erlebte Piedayesh als Kind „iranische Alltagskultur“, wie sie meint. „Mit 13, 14 Jahren kommt das Alter, in dem man sich von der Familie abwendet; ich war damit beschäftigt, das zu sein, was die anderen auch sind.“ Auf die Assimilation folgte später das Wiederentdecken der Traditionen und iranischer Wurzeln. Vieles, reflektiert Piedayesh heute, habe dabei mit einem aktuell für sie wichtigen Thema zu tun: „Ich bin nicht als Ego aufgewachsen. Jetzt bin ich in meiner Lebensmitte angekommen, in den letzten Jahren ist so viel Zeit und Energie in mein Modelabel geflossen. Ich habe erst spät gelernt, dass das Ego etwas Gutes ist und man mit sich selbst liebevoll umgehen muss.“

Gastfreundschaft und die Empathie von Frauen

Im Gespräch erwähnt Leyla Piedayesh, wie wichtig ihr Gastfreundschaft sei. Gefragt, ob nicht auch „Irans Töchter“ Ausdruck einer solchen Offenheit sei, das Versammeln vieler Porträts als einladende Geste wahrgenommen werden kann, findet die Designerin Gefallen an diesem Bild. „Das stimmt wirklich, diese Frauen und ich sitzen sozusagen an einer Tafel. Ich empfinde es mittlerweile auch so, dass Frauen eine andere Empfindung gegenüber ihren Mitmenschen haben, dass es da mehr Empathie gibt – unabhängig davon, ob das Gegenüber eine Frau ist oder ein Mann.“ Weiterführende Fragen nach dem Zusammenhalt von Frauen oder auch den Vorteilen eines Matriarchats könnte Leyla Piedayesh ja eventuell in einem Fortsetzungsband beantworten – in guter Gesellschaft oder auch ganz allein.

 „Irans Töchter“. Das Buch von Leyla Piedayesh mit Stefanie von Wietersheim und Neda Rajabi – „Über Mut, Heimat und die Schönheit des Lebens“ – solidarisiert sich mit den Protesten iranischer Frauen (Callwey Verlag). 
„Irans Töchter“. Das Buch von Leyla Piedayesh mit Stefanie von Wietersheim und Neda Rajabi – „Über Mut, Heimat und die Schönheit des Lebens“ – solidarisiert sich mit den Protesten iranischer Frauen (Callwey Verlag). Callwey

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