Nahost-Konflikt

Israels Militär kündigt „taktische Pausen“ im Süden Gazas an

Zerstörung in Khan Younis im südlichen Gazastreifen.
Zerstörung in Khan Younis im südlichen Gazastreifen.Reuters / Mohammed Salem
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Bis auf weiteres soll täglich von 7.00 bis 18.00 Uhr eine Unterbrechung der Aktivitäten des israelischen Militärs im südlichen Teil des Gazastreifens gelten. Sie soll mehr Hilfslieferungen ermöglichen.

Das israelische Militär hat eine täglich mehrstündige „taktische Pause“ seiner Aktivitäten im südlichen Teil des Gazastreifens verkündet. Die Unterbrechung gelte bis auf weiteres jeweils für die Zeit von 8 bis 19 Uhr (7 bis 18 Uhr MESZ) entlang der Straße, die vom Grenzübergang Kerem Shalom bis zur Salah-al-Din-Straße und dann weiter in den Norden führe, teilten die Streitkräfte am Sonntag mit. Die Entscheidung solle mehr Hilfslieferungen ermöglichen.

Die Entscheidung sei infolge von Beratungen mit den Vereinten Nationen und anderen Organisationen getroffen worden, hieß es weiter. Eine von der Armee veröffentlichte Landkarte zeigte die humanitäre Route, die sich bis zum Europäischen Spital in der Stadt Rafah erstreckt. Die Klinik liegt etwa zehn Kilometer vom Grenzübergang Kerem Shalom entfernt.

Israel führt Kämpfe in Rafah weiter

Die Kämpfe in Rafah, wo die israelische Militär gegen die radikal-islamische Terrororganisation Hamas vorgeht, würden allerdings weitergehen. Internationale Hilfsorganisationen warnen schon länger davor, dass sich die ohnehin schlechte Versorgungslage für die Menschen im südlichen Gazastreifen weiter zuspitzt. Tausende Menschen haben nicht genug Trinkwasser und Essen, zahlreiche Kinder leiden an akuter Mangelernährung.

Wegen der Kämpfe zwischen Israels Armee und der Hamas hatte das Welternährungsprogramm (WFP) davor gewarnt, dass die Menschen im südlichen Teil des von der islamistischen Terrororganisation beherrschten Gazastreifens schon bald unter der gleichen katastrophalen Hunger-Lage leiden könnten wie jene in den nördlichen Gebieten zuvor. „Die Situation im südlichen Gaza verschlechtert sich rasch“, sagte der stellvertretende WFP-Direktor Carl Skau nach einem zweitägigen Besuch der Region am Freitag.

Eine Million Menschen bei Hitze am Strand eingepfercht

Eine Million Menschen seien aus Rafah an der Grenze zu Ägypten vertrieben worden und bei brütender Sommerhitze in einem überfüllten Gebiet entlang des Strandes eingepfercht. Im nördlichen Teil Gazas habe sich die Versorgung mit Hilfsgütern zwar etwas verbessert, sagte Skau. Nachhaltig abgesichert sei die Verteilung von Nahrungsmitteln aber nicht.

Am Samstag waren nach Angaben des israelischen Militärs acht Soldaten bei einer Explosion im Süden des Gazastreifens gestorben. Zuvor hatte die Hamas erklärt, bei einem Angriff auf einen Truppentransporter in Rafah mehrere israelische Soldaten getötet und verletzt zu haben.

UNWRA: Mehr als 50.000 Kinder wegen akuter Mangelernährung in Behandlung

Das Palästinenserhilfswerk UNRWA teilte mit, mehr als 50.000 Kinder im Gazastreifen müssten wegen akuter Mangelernährung behandelt werden. Angesichts der nach wie vor bestehenden Beschränkungen für humanitäre Hilfe seien die Menschen „weiter von einem verzweifelten Ausmaß des Hungers betroffen“.

Am 7. Oktober hatten Terroristen der Hamas und anderer Palästinensergruppen den Süden Israels überfallen, rund 1.200 Menschen ermordet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Im Zuge des dadurch ausgelösten Krieges wurden nach - unabhängig nicht überprüfbaren - Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörden mehr als 37.000 Palästinenser getötet. Rund vier Fünftel der Bevölkerung innerhalb des abgeriegelten Küstenstreifens haben ihr Zuhause zurücklassen müssen. (APA/dpa)

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