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Wie der Stadtbalkon klimafit wird

So ähnlich könnten künftig Balkone in Wiener Gemeindebauten aussehen.
So ähnlich könnten künftig Balkone in Wiener Gemeindebauten aussehen.Getty Images
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Neue Initiativen unterstützen die Verwandlung von Balkonen in der Stadt. Sie werden zu Oasen für Pflanzen, Tiere – und Montagefläche für Solarkraftwerke.

Zwei bis drei Quadratmeter groß ist der durchschnittliche Balkon in einer Stadt wie Wien. Das reicht für einen Tisch und Stühle – und jede Menge Pflanzen, Insekten und andere Lebewesen. Biodiversität in Städten ist wichtig, dazu braucht es aber nicht immer einen Garten, Innenhof, Dach- oder Fassadenbegrünung. „Grundsätzlich ist jedes noch so kleine Trittstein-Biotop zu befürworten“, unterstreicht Ulrike Pitha, Privatdozentin für Vegetationstechnik und stv. Leiterin des Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der Boku Wien. „Selbst, wenn es nur eine Kiste mit Wildblumen am Balkon ist, bilden diese kleine wertvolle Inseln, die sowohl Flora wie Fauna unterstützen, wenn sie gepflegt und bewässert werden.“

Aktion Klimabalkon

Mit Linz hat heuer nun die erste österreichische Großstadt den Gedanken des Klimabalkons aufgegriffen. Ende Mai startete die Abteilung „Stadtklimatologie und Umwelt“ mit Unterstützung des Geschäftsbereichs Stadtgrün und Straßenbetreuung die Initiative und verteilte in einem öffentlichen Park Starterpakete. Darin fand sich neben einem Infoblatt auch eine regionale Samenmischung, um direkt mit der Bepflanzung des eigenen Balkons beginnen zu können. „Jeder noch so kleine Beitrag ist wichtig. Mit der Bepflanzung von Balkonen schaffen wir schöne Wohlfühlorte für uns selbst. Gleichzeitig entstehen neue Nahrungsquellen für Bienen und andere kleine Nützlinge“, warb Klimastadträtin Eva Schobesberger um möglichst viele Teilnehmer.

Ein Formblatt soll dabei helfen, sich aktiv mit tierischen Besuchern wie Bienen und Schmetterlingen zu beschäftigen. Und zu dokumentieren, welche der Pflanzen am Balkon Besuch von ihnen bekommen. Auch die Temperaturen sollen nach Möglichkeit aufgezeichnet werden, denn die richtigen Pflanzen sorgen neben Lebensräumen für Tiere auch für angenehmere Temperaturen für die menschlichen Bewohner.

Passende Pflanzen

Zu den besten Pflanzenmischungen für Bienen, die möglichst in großen Gefäße mit Loch im Boden und torffreier Erde angesetzt werden sollen, gehört nach Angaben des WWF die sogenannte „Bienenweide“. Wer lieber einzelne Arten säen möchte, sollte auf Lavendel, Glockenblumen, Schafgarbe, Löwenmäulchen, Kapuzinerkresse, Kornblumen, Wilde Malve und Verbene setzen. Auch blühende Kräuter wie Salbei, Basilikum, Thymian, Rosmarin, Oregano oder Majoran locken die Insekten an.

Für Schmetterlinge und deren Rüssellänge sind dagegen Nektarpflanzen wie Bartblumen, Blaukissen, Fetthenne, Lavendel, Flammenblumen, Prachtscharte, Steinkraut und Thymian nach WWF-Angaben attraktive Pflanzen. Neben den entsprechenden Pflanzen können auch Nisthilfen und besonders in trockenen Sommern kleine Wasserstellen dabei helfen, den Lebensraum für Insekten in der Stadt wieder zu vergrößern.

»Selbst, wenn es nur eine Kiste mit Wildblumen am Balkon ist, bilden diese kleine wertvolle Inseln, die sowohl Flora wie Fauna unterstützen, wenn sie gepflegt und bewässert werden.«

Ulrike Pitha

Privatdozentin für Vegetationstechnik und stv. Leiterin des Instituts für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau der Boku Wien

In Wien gibt es derzeit noch kein offizielles Klimabalkon-Programm. Wer seinen Balkon klimafit machen möchte, kann dies aber natürlich auch in Eigenregie tun. Außerdem erforscht die Boku gemeinsam mit einem Konsortium im Projekt „EssBAR“ ein Konzept zur Begrünung von Bestandsgebäuden, indem mit der Nachrüstung von Balkonen an Gebäuden neue Außenräume geschaffen werden. „Darüber hinaus sind bei diesen Balkonen innovative Vertikalgartensysteme für Gemüse, Kräuter und Obst integriert“, erklärt Pitha. „Diese klimawirksamen und essbaren, durch ein Regenwassermanagementsystem versorgten Begrünungssysteme, stellen eine neue Option in der Bauwerksbegrünung von Bestandsgebäuden dar.“

Einen anderen Zugang zur nachhaltigeren Nutzung von Balkonen hat die Stadt Wien vor wenigen Wochen in die Wege geleitet.

Solarzellen am Geländer

Künftig können auf den Balkonen der Gemeindebauten unter bestimmten Voraussetzungen Fotovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 800 Watt installiert werden. Wiener Wohnen warnt allerdings vor vorschnellen Anschaffungen, da es in Mehrparteienhäusern einiges zu beachten gilt, um sowohl den Bedürfnissen der Mitbewohner als auch technischen und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Für eine Bewilligung prüfen Wiener Wohnen bzw. zuständige Behörden, ob die geplante Kleinanlage in das Gesamterscheinungsbild passt und etwaige Vorgaben des Denkmalschutzes erfüllt. Die Installationen dürfen nur nach Montagevorgaben von Wiener Wohnen und durch Fachleute umgesetzt werden.

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