Literatur

Levin Westermann liebäugelt mit dem Untergang

Wütend aufgrund des achtlosen Umgangs des Menschen mit der Natur: Levin Westermann, geboren 1980 in Meerbusch.
Wütend aufgrund des achtlosen Umgangs des Menschen mit der Natur: Levin Westermann, geboren 1980 in Meerbusch.Bettina Wohlfender
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Levin Westermann übt in seinem Roman „Zugunruhe“ reichlich Zivilisationskritik.

Ein Mann durchstreift die Landschaften Deutschlands und der Schweiz. Sein Auftrag, darüber einen Text zu verfassen, bereitet ihm zunächst Schwindelgefühle und später Kopfschmerzen. Nicht, weil ihm das Schreiben schwerfiele – er macht reichlich Notizen und fotografiert viel –, sondern weil er die Landschaft zunehmend als zerstört wahrnimmt. Überall hinterlässt der Mensch Spuren der Verwüstung. Er nutzt alles für seine Interessen und löst ein Massenaussterben aus. Eine zentrale Frage dieses essayistischen Romans ist, warum die Menschen die Naturzerstörung ignorieren und fortsetzen, obwohl jeder weiß, dass das Artensterben und der Verlust unberührter Natur für die Menschheit gefährlich werden können.

Absurditäten des menschlichen Umgangs mit Tieren

Wie die Kopfschmerzen immer stärker werden, schwillt auch die anfängliche Trauer allmählich zur Wut an. Die melancholische Wehmut über die verlorene Natur und das Kopfschütteln über die Absurditäten des menschlichen Umgangs mit Tieren und Pflanzen steigern sich zu einer aggressiven Anklage. Nicht immer können die Beispiele aus der Reise überzeugen.

Über eine aufgegebene Raketenstation, die später renaturiert wurde, schreibt Levin Westermann: „Dort, wo einst das Haus gestanden hatte, da wuchs jetzt Gras, Laub lag in den Pfützen, und mitten im Gebäude, in irgendeinem Zimmer ganz aus Luft, da stand ein Baum.“ Das kleinformatige schwarz-graue Foto, das den Ort dokumentieren soll, zeigt ein paar Birkenbäume, sicherlich nichts, was man ehrlicherweise mit Naturzerstörung in Verbindung bringen würde.

Doch für Westermann evoziert der Ort, der aus Büschen, Gras und überwachsenem Asphalt bestand, den Nachlass einer Zivilisation: „Das hier waren die Reste einer Gattung nach dem Fall.“ Nach dem Fall? Im Laufe der Lektüre gibt sich der Autor immer stärker als Apokalyptiker zu erkennen.

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