Junge Forschung

Sie will den Preis für grüne Technik drücken

In festlichem Rahmen erhielt Magdalena Klemun den Ascina-Award beim diesjährigen Sommerfest des Wissenschaftsfonds FWF.
In festlichem Rahmen erhielt Magdalena Klemun den Ascina-Award beim diesjährigen Sommerfest des Wissenschaftsfonds FWF.Mirjam Reither
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Die Ingenieurin Magdalena Klemun erforscht, welche Faktoren die Kosten entscheidender neuer Technologien beeinflussen. Dafür wurde sie am Donnerstag in Wien ausgezeichnet.

Schon als Schülerin sei ihr klar gewesen, dass der Klimawandel „zu den größten Herausforderungen meiner Generation“ zählen wird, sagt Magdalena Klemun, Assistenzprofessorin an der Hong Kong University for Science and Technology mit Wiener Wurzeln. Schon für die Matura beschäftigte sie sich mit Fusionsenergie und Technologien, die unsere Energieversorgung revolutionieren und die zerstörerischen fossilen Kraftstoffe ersetzen könnten. Jahre später scheint die Menschheit tatsächlich auf eine technologische Revolution angewiesen, um die dramatischen Folgen der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre abzuwenden. Doch wahrscheinlich ist es nicht Fusionsenergie, sondern vielmehr verdrängen Windkraft und Fotovoltaik mehr und mehr Kohle, Öl und Gas als Energieträger.

„Weiche“ Kosten der grünen Wende

Magdalena Klemun erforscht, wie sich der Einsatz und die Implementierung dieser neuen Technologien entwickelt und was diese Entwicklung vorantreibt – von technischen Designänderungen und Materialinnovationen bis hin zu standortspezifischen Bedingungen und staatlichen und privaten Investitionen. Sie fokussierte sich dabei im Besonderen auf sogenannte weiche Kosten der Solarindustrie: nicht der Preis der Paneele selbst, sondern die Kosten der Planung, Installation und Inbetriebnahme, wie zum Beispiel der benötigten Arbeitskraft.

»Es war jedes Mal ein kleiner Heureka-Moment, wenn wir gesehen haben, dass unser Modell die Entwicklung robust beschreibt, auch wenn wir die Parameter ein wenig verändert haben.«

Magdalena Klemun,

Assistenzprofessorin an der Hong Kong University for Science and Technology 

Tatsächlich haben die Kosten für Sonnenenergie in den letzten Jahren eine spektakuläre Talfahrt hingelegt. Seit dem Jahr 2000 sind sie um unglaubliche 97 Prozent gefallen und stellen jetzt die günstigste Energiequelle überhaupt dar. Magdalena Klemun legte dar, wie verschiedene technologische Veränderungen dazu beitrugen, und dass ein Großteil der Reduktion von „soft costs“ vor allem durch effizientere, leichter installierbare Hardware ermöglicht wurde. Dazu entwickelte sie ein mathematisches Modell, das den Einfluss der verschiedenen Kostenfaktoren beschreibt und nicht nur auf Fotovoltaik, sondern auch auf andere Technologien anwendbar ist.

„Es war jedes Mal ein kleiner Heureka-Moment, wenn wir gesehen haben, dass unser Modell die Entwicklung robust beschreibt, auch wenn wir die Parameter ein wenig verändert haben“, so die Forscherin. Es zeigte sich, dass der Beitrag von Prozessinnovationen („soft technology“) zur Kostenreduktion im Vergleich zur Hardware relativ klein war, es also neue Ansätze braucht, um Know-how in der Planung und Installation schneller zu entwickeln und für verschiedene Marktakteure zugänglich zu machen. Diese Erkenntnisse könnten helfen die Entwicklung und Implementierung weiterer Klima-relevanter Technologien durch gezieltere Innovation voranzutreiben.

»Ich fange oft wieder mehr oder weniger bei null an.«

Magdalena Klemun

Begonnen hat Magdalena Klemun ihre wissenschaftliche Karriere an der TU Wien, wo sie Elektrotechnik und Informationstechnik studierte. Schon für den Master zog es sie allerdings in die USA. Hier absolvierte sie mittels Fulbright-Stipendium erst einen Master an der Columbia University in New York City und schloss dann ihr Doktorat am Massachusetts Institute for Technology (MIT) in Cambridge ab. „Ich hatte das Privileg, dort mit unglaublich kreativen und ambitionierten Leuten arbeiten zu dürfen. Da kann man sehr schnell sehr viel weiterbringen. Ich fand auch beeindruckend, dass in den USA selbst berühmte Wissenschaftler vergleichsweise bodenständig und einfach zugänglich sind.“

Für ihre Forschung im Team von Jessika Trancik am MIT (publiziert im Fachjournal Nature) erhielt sie am Donnerstag in Wien den Young Scientist Award, eine Auszeichnung des Wissenschaftsministeriums und der Vereinigung der Austrian Scientists & Scholars in North America (Ascina).

Ballett und Yoga helfen bei Integration

Nach Österreich hat Klemun mittlerweile auch die USA hinter sich gelassen. Seit 2021 ist sie an der Hong Kong University tätig, wo sie ihre Forschung auf energieintensive und potenziell klimaschädliche Technologiebereiche, wie die Herstellung von Dünger oder Cloud-Computing ausweitete. „Für unsere Art der Forschung muss man sich in vielen Bereichen auskennen und unterschiedliche Fachsprachen sprechen. Das ist spannend, aber man muss der richtige Typ dafür sein. Ich fange oft wieder mehr oder weniger bei null an, wenn ich mich in einen neuen Technologiebereich einarbeite“, beschreibt sie ihre ersten Jahre als leitende Wissenschaftlerin. 

Ausgleich dazu findet sie beim Ballett und im Yoga: „Beide sind für mich komplett faszinierend. Man kann es weltweit ausüben und sich damit auch verständigen und integrieren, auch wenn man zum Beispiel die lokale Sprache nicht spricht.“

Das Sommerfest des Wissenschaftsfonds FWF fand am Donnerstag, 20.6. in der Rösthalle Meinl in Wien Ottakring statt.
Das Sommerfest des Wissenschaftsfonds FWF fand am Donnerstag, 20.6. in der Rösthalle Meinl in Wien Ottakring statt.Mirjam Reither

Zur Person

Magdalena Klemun (36) studierte an der TU Wien Elektrotechnik und IT und war bei der „Presse“ Redakteurin. Nach einem Master in Earth Resources Engineering an der Columbia University in New York absolvierte sie ein Doktorat am MIT bei Boston und ist seit 2021 Assistenzprofessorin an der Hong Kong University for Science and Technology.

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