Elektromotorrad

BMW CE 02: Strom ist wertvoll, vor allem unterwegs

Wo ist die nächste Steckdose? BMWs witziger „eParkourer“ CE 02.
Wo ist die nächste Steckdose? BMWs witziger „eParkourer“ CE 02. Fabry
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Preis und Reichweite als ärgerliche Ablenkung von dem Spaß, den man auf BMWs originellem „eParcourer“ CE 02 haben kann.

Um mangelnde Aufmerksamkeit muss man sich in Gesellschaft der BMW CE 02 nicht sorgen. Wo immer man auftaucht, wird man in Gespräche verwickelt; die Reaktionen reichen von „Was ist das?“ bis zu spezifischen Nachfragen bereits gut Informierter.

Ja, was ist es denn? BMW nennt den Elektro-Scooter „eParcourer“, was in die Richtung Skateboard-Lifestyle weisen soll. In leistungsreduzierter Variante (quasi Moped, bis 45 km/h) kann der (oder die) CE 02 denn auch ab 15 Jahren gefahren werden, als 125er-Äquivalent (bis maximal 11 kW/15 PS) mit dem entsprechenden Führerschein ab 16.

Wo ist die nächste Steckdose? Das Ladegerät zu sperrig und schwer, um es immer dabei zu haben.
Wo ist die nächste Steckdose? Das Ladegerät zu sperrig und schwer, um es immer dabei zu haben. Clemens Fabry

Das war unsere Variante; sie lässt bis etwas über 100 km/h auf dem Display zu, also echte 95, und eine zumal in städtischen Gefilden prickelnde Beschleunigung: In drei Sekunden geht es aus dem Stand auf 50 km/h, damit kann man sich an der Ampel spielend vom Feld der erst träge in die Gänge kommenden Verfolger absetzen. Im Nahkampf des Stadtverkehrs ist gute Beschleunigung die Überlebensstrategie schwächerer Verkehrsteilnehmer.

Der Energiespeicher sitzt in Form zweier 1,9-kWh-Batterien unter der langen Sitzbank (eher ein Brett, aber ausreichend gepolstert). Die sind nicht etwa zur Entnahme und zum Aufladen in der Wohnung gedacht, was das erste Problem des e-Parcourers darstellt. Denn wo man nur am Gerät laden kann, ist man auf eine zugängliche Haushaltssteckdose angewiesen, sprich: auf eine eigene Garage oder einen Stellplatz mit Stromanschluss.

Schöne Ausführung, hochwertige Komponenten: Der CE 02 wird in Indien gefertigt.
Schöne Ausführung, hochwertige Komponenten: Der CE 02 wird in Indien gefertigt. Clemens Fabry

Damit verengt sich die Zielgruppe schon einmal drastisch, zumal das große und schwere Ladegerät nicht zum Mitführen gedacht und geeignet ist. Wir hatten die größte Not, eine solche Steckdose im Zufahrtsbereich finden (und machten uns in der Folge beim „Presse“-Facility-Management sehr unbeliebt).

Reichweite schmilzt

Und Laden ist Dauerthema. BMW stellt über 90 km Reichweite in Aussicht, aber vollgeladen verhieß der Bordcomputer nur 78 km. Im reinen Stadtbetrieb, bei dem viel rekuperiert werden kann, mag das halten und sich noch verbessern. Auf der Langstrecke, etwa den 16 Kilometern zum Flughafen hinaus, schmilzt die Reichweite bedenklich.

Bei 90 km/h entspricht ein gefahrener Kilometer zweien in der Reichweite. Sprich einmal Flughafen und zurück, und 60 km sind weg. Mag sich ausgehen für Speckgürtler mit Garage. Als Airport- und sonstiger Pendler mag man aber erst recht ein Fahrzeug mit mehr Wetterschutz bevorzugen, sprich einen klassischen Roller mit Schürzen – und dann wohl auch gleich einem Benzintank, um nicht ständig den Batteriestand im Auge behalten zu müssen.

Den Riemenantrieb hört man mangels Motorgeräusch: Hintere Schwinge des CE 02.
Den Riemenantrieb hört man mangels Motorgeräusch: Hintere Schwinge des CE 02. Clemens Fabry

Für die Kids, die BMW vom Skateboard holen will, ist der CE 02 kein einfacher Business Case. Als Moped stehen 7050 Euro zu Buche, unser Exemplar kam mit ein paar Extras, aber noch keinen Satteltaschen und dergleichen gar auf 9885 Euro. Das ist auch nach Abzug von Umwelt- und Importeursbonus ernsthaftes Geld für Spielzeugartiges.

Auch wenn die Verarbeitung des in Indien gebauten Zweirads tadellos ist und die Komponenten durchwegs hochwertig sind: Mehr Appeal hat letztlich die größere CE 04, die zwar bei Reichweite und Laden den gleichen Einschränkungen unterliegt, die aber noch spektakulärer aussieht und sich ebenso fahren lässt. Sichtungen der CE 02 dürften daher eher rar bleiben. Das größte Vergnügen bereitet ohnehin ihr Anblick.

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