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„House of the Dragon“ Staffel 2, Folge 3: Wozu ist diese Pornoszene gut?

Am Weg in die Kirche, wo sie eine unerwartete Begegnung hat: Alicent Hightower (Olivia Cooke)
Am Weg in die Kirche, wo sie eine unerwartete Begegnung hat: Alicent Hightower (Olivia Cooke)HBO/Theo Whiteman
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Episodenblog. Was für eine zerfahrene Folge! Daemon ist in einem Horrorfilm gefangen. Krieg kündigt sich an. Dazwischen wurde eine explizite Szene eingestreut.

„House of the Dragon“, Staffel 2, Folge 3:

Recaps

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Achtung: Spoiler!

Dieser Tage wurde „House of the Dragon“ ziemlich abgewatscht vom einflussreichen „Guardian“: Langweilig und mühsam nannte die britische Zeitung die Fantasyserie. Beklagte das Fehlen von Humor, Sympathieträgern und überhaupt Spannung. Ganz so streng wollen wir hier nicht sein (die trauernde Rhaenyra fand ich im Gegensatz zum „Guardian“ berührend), aber die dritte Folge von Staffel zwei ist ziemlich zerfahren und verworren.

Vielleicht findet man am besten von hinten durch dieses Labyrinth an Geschichten. Am Ende treffen sich zwei Königinnen (eine davon eigentlich im Ruhestand), Alicent Hightower und Rhaenyra Targaryen – ausgerechnet in jener Sept (Gotteshaus), die Cersei in die Luft sprengen ließ. Im Prinzip klären sie, wer wirklich Anspruch auf den Thron hat und Alicent muss erkennen, dass sie einem Missverständnis aufgesessen ist und Viserys letzte Worte fehlinterpretiert hat.

Aber sie kann nicht mehr zurück. Als Grund nennt sie ausgerechnet Aemond (der in dieser Staffel ähnlich unterfordert wird wie Rhaenyra). Es wird also Krieg geben. Ist „House of the Dragon“ nicht ohnehin schon mindestens drei Folgen lang die Chronik eines angekündigten Krieges?

Ohne den „Erklärbär“ wäre es schwierig

Das Zögern ist verständlich. Wenn der Krieg dann beginnt, dürfte es schwierig werden für die Drehbuchautoren. Wer will schon zweieinhalb Staffeln lang (Staffel drei wurde jüngst bestellt) Leichenberge sehen? Das Zuwarten hat allerdings auch nicht viel Reiz. Die Serie muss sich – da hat der „Guardian“ schon recht – etwas überlegen, um die zuletzt geschrumpfte Zuschauerschaft bei der Stange zu halten. Mit einer Folge wie dieser wird das nicht funktionieren.

Denn da ist zu viel Geschichte in der Handlung: Gut, dass wir Erklärbär Jasper Wylde, Master of Laws im Council von König Aegon, haben. Er erklärt, dass die Riverlands „the key to war“ sind. Und Harrenhal ist der „key to the Riverlands“. In den Riverlands bekriegen sich allerdings gerade zwei Familien namens Bracken und Blackwood. Schon sieht man tote Soldaten in hundertfacher Ausführung ... Was dieser Kleinkrieg für den großen bedeuten wird, wirkt aber noch unklar.

Daemons „Albtraum“ in Harrenhal

Sehr Horrorfilm, was Daemon in dieser scheußlich nassen Burg Harrenhal erlebt
Sehr Horrorfilm, was Daemon in dieser scheußlich nassen Burg Harrenhal erlebtHBO

Endlich in Harrenhal angekommen ist Daemon Targaryen, und die Burg ist in einem schlechteren Zustand als erwartet. Schön, wie die Serie hier mit dem Horrorgenre spielt – bis hin zu Daemons „Albtraum“ mit der jungen Rhaenyra, die dem toten Buben Jaehaerys den Kopf wieder annäht. Noch namenlos ist eine Frau, die Daemon seinen Tod in Harrenhal prophezeit (auch eine nette Art, sich vorzustellen). Vielleicht sehen wir bald sowas wie Hexen. Harrenhal ist offenbar ein ziemlich feuchtes „shithole“ mit illoyalen Menschen darin. Castellan Simon Strong schwört viel zu schnell Rhaenyra ihre Treue – und sagt im gleichen Atemzug, was es zu essen gibt. Ich wittere Betrug. Aber von wem an wen?

Das gern bemühte Topos des Geschwisterstreits (mit Spezialfach: Zwillingskrieg) exekutiert die Folge gleich mehrfach: Daemons drachenlose Tochter Rhaena muss die kleinen Kinder Rhaenyras begleiten, die zur Sicherheit nach Pentos gebracht werden. Ihre Schwester Baela darf mit ihrem Drachen währenddessen Criston Cole und Neuzugang Gwayne Hightower, Alicents überheblichen Bruder, einen ordentlichen Schreck einjagen. Der völlig charmefreie, unterwürfige Lord Larys schürt Zwietracht zwischen König Aegon und dessen Mutter und Bruder – und wird dafür mit dem Titel „Master of Whisperers“ belohnt.

Leicht manipulierbar von Lord Larys (Matthew Needham): König Aegon (Tom Glynn-Carney)
Leicht manipulierbar von Lord Larys (Matthew Needham): König Aegon (Tom Glynn-Carney)HBO

Im Bordell in jedes Separee schauen

Anschließend geht er wohin? Ins Bordell natürlich, dort spielt Aegon das beliebte „in jedes Séparée schauen“-Spiel und entdeckt erstens seinen kuschelnden Bruder – und zweitens sieht man Fellatio. Also wirklich. Wie im Porno. Wozu? Trägt das irgendwie zur Handlung bei? Nein. Will es uns zeigen, dass die Serie nicht vor Tabubruch zurückschreckt? Danke, das haben wir mit der Großaufnahme eines abgeschnittenen Gemächts in Folge eins verstanden. Völlig unnötig, diese Szene. Sie finden meine Meinung konservativ? Wir sind hier bei der „Presse“!

Insgesamt hat die Episode etwas von einer Schachpartie – man bringt die Figuren in Stellung und dann schnappt die eine nach der anderen und die dritte kommt aus dem Hinterhalt etc. Man wird wohl ein wenig Geduld haben müssen, bis es soweit ist.

Random Beobachtungen:

Apropos unnötig: Die Nahaufnahme einer Krähe, die das Auge (oder was davon übrig blieb) des mörderischen Rattenfängers frisst, muss jetzt auch nicht sein. Regie führte übrigens eine Frau: Geeta Vasant Patel.

Criston Cole bekommt ein Taschentuch von seiner Geliebten/Königin Alicent Hightower. Ich gehe jede Wette ein, dass wir das Stückerl Stoff wieder sehen werden.

Drache Seasmoke ist frei. Wer wird ihn reiten?

Man könnte meinen, die Targaryens hätten aus dem „Dance of the Dragons“ gelernt, dass es aufgrund von Verwechslungsgefahr nicht klug ist, Kindern ständig die gleichen Namen zu geben. Nein, haben sie nicht.

Zitate der Woche:

Daemon Targaryen: „I‘m claiming Harrenhal“
Simon Strong: „Apparently so.“

Alicent Hightwoer: „I have been at times unkind but never untrue.“

Was soll man schauen?

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