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Warum Russland gegen den ORF vorgeht

ORF-Büroleiterin Carola Schneider.
ORF-Büroleiterin Carola Schneider.APA
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Moskau entzog der ORF-Büroleiterin Carola Schneider die Akkreditierung. Es handelt sich um eine Vergeltungsmaßnahme.

In einigen Wochen läuft ihr Visum aus. Dann muss Carola Schneider Russland verlassen. Das Moskauer Außenministerium hat der langjährigen ORF-Büroleiterin (2010 bis 2021 und dann wieder ab Oktober 2023) die Akkreditierung entzogen. Österreichs öffentlich-rechtlicher Sender hat bald keine Journalisten mehr im Land. Vor Kurzem erst hatten die russischen Behörden Maria Knips-Witting ausgewiesen.

In einer Aussendung sprach der ORF von einem „Willkürakt gegenüber unabhängiger Berichterstattung“. Schneider habe sich an alle Gesetze gehalten. Sie werde nun wie Knips-Witting aus der Auslandsredaktion in Wien über Russland informieren. Inzwischen bemüht sich der ORF um neue Akkreditierungen. Das Außenamt verurteilte den „ungerechtfertigten und inakzeptablen Schritt“, der jeglicher Grundlage entbehre.

Es handelt sich um eine Retourkutsche Russlands. Im April hatte Österreich zwei Korrespondenten der russischen Nachrichtenagentur Tass die Akkreditierung wegen Sicherheitsbedenken entzogen, erst Iwan P. und dann der Büroleiterin Arina D., die Österreich etwas zeitverzögert verließ. Spiegelgleich ging nun die russische Seite vor.

„Rote Linie überschritten“

Informationen der „Presse“ zufolge hatte die österreichische Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DNS) die beiden russischen Korrespondenten auf dem Radar. Iwan P. und Arina D. waren demnach nicht nur journalistisch, sondern auch nachrichtendienstlich tätig. Ihnen wurde auf Basis einer Einschätzung des DNS die Akkreditierung entzogen. „Sie haben rote Linien überschritten“, sagte ein mit dem Fall vertrauter Beamter zur „Presse“. (APA/cu)

Zur Person

Carola Schneider wurde 1972 in Vorarlberg geboren und schloss 1996 an der Universität Innsbruck ihr Studium der Dolmetsch- und Übersetzerwissenschaften in den Sprachen Französisch und Russisch ab. Nach ihrem Einsatz in der Politikredaktion des ORF-Landesstudios Vorarlberg von 1996 bis 2001 war Carola Schneider bis 2003 als ORF-Korrespondentin in Paris tätig. Von 2003 bis 2011 berichtete sie für den ORF aus der Schweiz mit Sitz in Zürich. Von 2011 bis 2021 leitete Schneider das ORF-Büro in Moskau, das sie nach einer Bildungsauszeit seit 1. Oktober 2023 wieder führt.

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