Enthüllungsplattform

Keine Enthüllungen, kaputte Links: Was wurde aus WikiLeaks?

Julian Assange 2010 in Melbourne: Er und WikiLeaks seien „praktisch ein und dasselbe“, sagte später ein Wegbegleiter.
Julian Assange 2010 in Melbourne: Er und WikiLeaks seien „praktisch ein und dasselbe“, sagte später ein Wegbegleiter. Getty
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Die Plattform scheint zu einer One-Man-Show rund um Julian Assanges Befreiungskampf geworden zu sein. Die offizielle Website ist ein Link-Friedhof.

Am Dienstag hatte WikiLeaks Erfreuliches zu berichten: „Julian Assange is free“, schrieb die Organisation auf Twitter und erklärte damit offiziell, dass ihr Gründer das Belmarsh-Hochsicherheitsgefängnis bei Lon­don verlassen hat. Dass eine Aussendung der Organisation weltweit derart die Schlagzeilen beherrscht, war länger nicht mehr vorgekommen: Die Plattform, die sich auf die Publikation von durch Whistleblower geleakten Dokumenten spezialisiert und 2010 unter anderem mit einem Video einer US-Helikopter-Attacke auf unbewaffnete Menschen in Bagdad („Collateral Murder“) für Aufsehen gesorgt hatte, war in den letzten Jahren weniger mit Enthüllungen denn mit dem Befreiungskampf ihres Gründers Julian Assange beschäftigt.

Fünf Jahre lang war der Australier zuletzt in London inhaftiert, davor lebte er ab 2012, sieben Jahre lang, in der dortigen ecuadorianischen Botschaft, um einer Auslieferung zu entkommen. Assange war nicht der einzige Mitarbeiter und Repräsentant der Plattform – stand aber doch stets klar im Zentrum und bestimmte ihr Handeln. Assange und Wikileaks seien „praktisch ein und dasselbe“, schrieb James Ball, ein ehemaliger Mitarbeiter, schon 2016. In einem Interview mit der US-Zeitschrift „The Nation“ machte Assange im Dezember seine Inhaftierung dafür verantwortlich, dass Wikileaks nicht mehr so wie früher Kriegsverbrechen und Korruption aufdecken könne: Die Inhaftierung, US-Überwachungsmaßnahmen und Restriktionen bei der Finanzierung würden potenzielle Whistleblower abschrecken.

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