Gewerbeimmobilien

Arbeitsplatz für Bienen, Insekten und kluge Köpfe

Der Dachgarten auf dem Einkaufszentrum Wien Mitte.
Der Dachgarten auf dem Einkaufszentrum Wien Mitte.Clemens Lutz
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Mit der Naturierung und Gestaltung von Außenflächen schaffen Unternehmen Anreize für Mitarbeiter und ein grünes Image. In Österreich passiert das bisher nur vereinzelt.

Der Unterschied ist etwa so groß, als ginge man im Dunkeln in die Albertina und drehte erst dann das Licht auf: So beschreibt Florian Richter, Centermanager von Wien Mitte The Mall, den Vorher-Nachher-Effekt, den die Gestaltung der Innenhofflächen auf dem Dach des Shoppingcenters ausmacht. 4500 Quadratmeter hat Richter von Landschaftsarchitekt Clemens Lutz begrünen lassen. „Vorher war dort eine Waschbetonwüste“, beschreibt er, wie das Dach des Einkaufszentrums aussah, auf das die Mitarbeiter in den darüberliegenden Büros schauen.

„Mit der Begrünung haben wir nicht nur eine Verbesserung der klimatischen Verhältnisse geschaffen, sondern auch die Immobilie selbst deutlich aufgewertet.“ Den neu geschaffenen Grünraum mitten in der Stadt können die insgesamt 2500 Mitarbeiter der Mall und der Büros nutzen, für Raucher gibt es einen kleinen Pavillon – und selbst wer nicht hinuntergeht, genießt den neuen Blick ins Grüne.

Arbeitgeber haben gute Gründe zur Begrünung

Wirklich neu ist die Idee des Corporate Landscaping nicht, denn zumindest die Gebäudefront haben Unternehmen zumeist in irgendeiner Weise begrünt. Was sich derzeit ändert, sind aber die Art und Weise und Motivation hinter der Gestaltung. „In Summe gibt es drei Gründe, warum sich Firmen heute dafür entscheiden“, sagt Lutz. „Zum einen, um einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem sich die Mitarbeiter wohlfühlen, und weil man sie damit auch halten kann“, so der Landschaftsarchitekt. Denn ganz abgesehen von Raucherbereichen wissen die Mitarbeiter eine angenehme Umgebung und die Möglichkeit, zum Telefonieren oder auch Mittagessen hinausgehen zu können, zu schätzen – was in Zeiten des Kampfes um die besten Köpfe ein wichtiges Argument ist. „Aber auch Kunden schauen lieber auf etwas Schönes als auf einen Innenhof mit geparkten Autos.“

Vorbild: Niederlande

Darüber hinaus sei ein nachhaltig begrüntes Firmengebäude ein Statement nach außen, mit dem man positiv wahrgenommen werde. „Wie das geht, machen seit Jahren die Niederländer vor, wo es richtig schicke Gewerbegebiete gibt, in denen nicht nur Gebäude mit einem großen Namen draufstehen.“

Und Grund Nummer drei ist, mit einer biodiversen Begrünung eine nachhaltige Grundeinstellung zu demonstrieren – mit Blumenwiesen anstelle von gepflegtem Rasen vor der Firmentür, weniger versiegelten Flächen und gern auch Bienenkörben auf dem Dach. „Allerdings besteht hier auch immer die Gefahr, dass es Greenwashing ist“, räumt Lutz ein. „Da muss man wirklich dahinterschauen, um was es eigentlich geht.“

Wunsch: Outdoor-Büros

Klar ist, dass Mitarbeiter es mögen, wenn es auch ein schönes Außen zum gestylten Innen der Büros gibt, in die viele Arbeitgeber ihre Angestellten zurücklocken wollen. „Bereits seit einigen Jahren ist es so, dass die Antworten auf Umfragen in Unternehmen, was die Mitarbeiter gerne hätten, ein Ort zum Outdoor-Working mit Schatten und Steckdose auf den Wunschlisten stehen“, berichtet Oliver Bertram, CEO von Team Gnesda. Geprägt worden sei diese Idee des Corporate Landscaping in den USA, weil dort durch die Campus-Kultur vieler Unternehmen die Landschaft immer schon eine große Rolle gespielt habe.

In Europa sei die Nachfrage nach entsprechenden Projekten selten. Was daran liege, dass hier viele Zentralen der Unternehmen in das Stadtbild eingebunden sind. Oft reden hier Städte oder Gemeinden, aber auch Eigentümergemeinschaften mit, was solche Prozesse selten erleichtert. Bei jenen Projekten, die es gibt, sollen vor allem Flächen entsiegelt und Biodiversität durch autochthone Pflanzen in großer Artenvielfalt hergestellt werden. „Dazu gehört neben Wiesenblumen auch die Intensivbegrünung von Dächern“, berichtet Bertram. Unter anderem sei man gerade in einem Projekt, bei dem zur Debatte steht, ob Schafe auf dem begrünten Dach grasen werden – „schau’n wir mal, ob der Vorstand das mitmacht“, ist er gespannt.

Neben dem Thema Naturierung steht aber immer auch die Nutzung des Außenraums als erweiterte Bürofläche zur Debatte, wenn die Umstände es zulassen. „Denn das Socialisen, etwa zum Essen hinauszugehen, wird einfach immer stärker“, weiß Bertram. Ein Beispiel, bei dem dieser Gedanke positiv umgesetzt wurde, ist für ihn der Campus der Bank Austria, „wo 2015 für den erhöhten Innenhof eine Landschaftsgestaltung vorgesehen war, in der außer Rauchen kaum etwas hätte stattfinden können“, erinnert er sich. „Heute kann man dort sowohl drinnen wie draußen mit dem Laptop sitzen, es gibt eine ganze Reihe von Möblierungen und diese Flächen funktionieren wunderbar.“

Vorteil: Periphere Lage

Noch besser lassen sich Corporate-Landscaping-Projekte dort umsetzen, wo die Natur bereits rund um das Firmengebäude vorhanden ist und nur mehr ein wenig adaptiert werden muss. „Wir haben aktuell ein solches Projekt in der Peripherie am Waldrand, wo jetzt an einer besonders schönen Stelle eine Art Salettl entsteht, in dem solarbetriebene Steckdosen für den Laptop und ein gutes WLAN vorhanden sind“, berichtet Bertram. Dann müsse man nur noch darauf achten, dass das Sonnenlicht nicht blendet und es eine halbwegs gute Belüftung gebe – und man hat einen „Outdoor-Arbeitsplatz mit unglaublicher Qualität“.

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