Empfehlungen der „Wissen“-Redaktion

Buchtipps des Monats

Clemens Fabry
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Über das Wiener Wetter, das Liebesleben der Vögel, die politischen Kämpfe der LGBTIQ-Community und die neue kritische Friedensforschung.

Wiener Wetter-Wissen

Die Wienbibliothek hat sich auf die Suche nach den Spuren des Wetters in der Hauptstadt gemacht. Das Ergebnis sind eine Ausstellung im Rathaus und ein Sammelband, der die gesellschaftspolitischen und kulturhistorischen Dimensionen des Klimawandels beleuchtet. Reichlich illustriert und ansprechend aufbereitet, steht das Begleitbuch zur Schau auch gut für sich allein. Historische Quellen erzählen u. a. von der Wetterfühligkeit des Komponisten Hugo Wolf (das Titelzitat stammt von ihm), vom Pionier des Blitzableiters und von den Wetterregeln für Weltkrieg-Flieger. Außerdem erfährt man, wie sich das Wetter in Verwaltungsvorschriften niedergeschlagen hat (der Leopoldstädter Amtmann musste etwa eine Zille für den Hochwasserfall besitzen) und welche Witterungsextreme Wien bereits erlebt hat. Ein schönes Sammelsurium, das zeigt, wie das Wetter die Stadt über Jahrhunderte geprägt hat. (cog)

B. Hachleitner und C. Mertens (Hg.): <strong>„Die Hitze in diesen Tagen wird nachgerade unerträglich“ </strong>(Mandelbaum-Verlag, 240 Seiten, 26 Euro)
B. Hachleitner und C. Mertens (Hg.): „Die Hitze in diesen Tagen wird nachgerade unerträglich“ (Mandelbaum-Verlag, 240 Seiten, 26 Euro)

Beziehungs­geschichten aus der Vogelkunde

Die meisten Stare tanzen gern auf mehreren Hochzeiten. Sie verpaaren sich kurz nacheinander mit verschiedenen Weibchen. Aber auch die leben in vielen Arten nicht monogam – und so finden sich immer wieder fremde Eier in den Nestern . . . Anekdotenreich und unterhaltsam (und ansprechend illustriert von Ute Bartels) beschreibt der promovierte Ökochemiker Ernst Paul Dörfler in der Weiterentwicklung seines Bandes „Liebeslust und Ehefrust der Vögel“ das Liebesleben der Tiere in seinen sehr unterschiedlichen Facetten. Neben mancher Parallele zum Menschen erfährt man auch, woher das Wort „vögeln“ stammt: Im Mittelalter soll es unter adeligen Damen den Brauch gegeben haben, den Vogelkäfig gut sichtbar auf der Fensterbank zu platzieren: ein Signal für heimliche Liebhaber, dass der Hausherr fort war und sie „zu den Vögeln gehen“ durften. (gral)

Ernst Paul Dörfler: <strong>„Das Liebesleben der Vögel“</strong> (Carl-Hanser-Verlag, 240 Seiten, 22,70 Euro)
Ernst Paul Dörfler: „Das Liebesleben der Vögel“ (Carl-Hanser-Verlag, 240 Seiten, 22,70 Euro)

Die politischen Kämpfe sind im Pridemonth nicht zu Ende

Zu Beginn erklärt der Kremser Politkwissenschaftler Michael Hunklinger den Begriff Pride, der nicht nur Stolz bedeutet, sondern die Geschichte der Schwulen- und Lesbenbewegung umfasst. Während aktuell auch rechte Strömungen den Begriff „Stolz“ für ihren Hass gegen LGBTQ-Personen (lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer) einsetzen, macht dieses Buch gesellschaftliche Gegensätze auf sympathische Art sichtbar. Es geht um die Emanzipationsbewegung der queeren Menschen. Wobei queer für alle steht, die nicht in die heterosexuelle, binäre Mann-Frau-Norm passen. Die Betrachtungsweise schiebt den Fokus weg von der Sexualität hin zur Identität der Menschen. Politische Kämpfe nehmen in Österreich zwar ab, aber andernorts zu. Ein wichtiger Meilenstein gegen die Ausgrenzung ist die „Ehe für alle“. Darauf kann sich die queere Solidarität aber nicht ausruhen. (vers)

Michael Hunklinger: <strong>„Pride“</strong> (Kremayr & Scheriau, 128 Seiten, 20 Euro)
Michael Hunklinger: „Pride“ (Kremayr & Scheriau, 128 Seiten, 20 Euro)

Frieden hat viele Gesichter

Von einer Zeitenwende zu sprechen, sei etwas voreilig, so die Herausgeber des Sammelbandes zur kritischen Friedensforschung mit Blick auf Russlands Angriff auf die Ukraine. Klar ist, dass durch den Krieg im Nachgang an die Coronapandemie viele Veränderungen beschleunigt oder offengelegt wurden. Gewissheiten wurden erschüttert, Grenzen verschoben. Viele davon betreffen den Frieden. Höchste Zeit also, sich dem Forschungsstand dazu anzunähern. Die Beiträge – u. a. von den österreichischen Forschenden Claudia Brunner, Werner Wintersteiner und Ronald Tuschl – widmen sich Kriegsschauplätzen und dem Frieden in der Popkultur. Es geht um Herrschaftskritik und feministische Friedensarbeit, um ein anthropozentrisches Friedensverständnis und um Anarcho-Pazifismus. Außerdem wird die junge Disziplin der kritischen Friedensforschung selbst in den Fokus genommen. (cog)

Josef Mühlbauer, Maximilian Lakitsch (Hg.): <strong>„Kritische Friedensforschung“ </strong>(Mandelbaum-Verlag, 528 Seiten, 36 Euro)
Josef Mühlbauer, Maximilian Lakitsch (Hg.): „Kritische Friedensforschung“ (Mandelbaum-Verlag, 528 Seiten, 36 Euro)

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