Randerscheinung

Siri weiß alles

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Siri liest mir während des Rad­fahrens vor, was sich in unserer Familiengruppe gerade so abspielt.

Der Älteste, sagt Siri, „hat ein Bild geschickt“. Ich sehe natürlich nicht, was da drauf ist. Der Mittlere, behauptet Siri, reagiere mit „Hahaha“. Dann sagt mir Siri, dass der Jüngste mit „einem Emoji-,Mittelfinger‘ antwortet“. Ich bin wirklich schon gespannt, was auf dem Bild zu sehen ist. Dazwischen bekomme ich immer wieder Nachrichten von unserem neuen Kühlschrank. Der alte (Sie erinnern sich) hat endgültig den Geist aufgegeben, der Neue hat mich beim ersten Kennenlernen aufgefordert, eine App herunterzuladen. Wirklich!

Seither bekomme ich von Siri vorgelesen, wenn zu Hause die Kühlschranktür zu lang offen ist. Muss ich nicht wissen, will ich nicht wissen, die App kommt wieder weg. Ich fürchte, ein Grund, warum die Welt letztlich doch untergehen wird, sind mit dem Netz verbundene Haushaltsgeräte. Dabei steht der Kühlschrank momentan gar nicht so sehr im Mittelpunkt, sondern die Betten. Haben die Buben ihr Zuhause in den vergangenen Jahren am ehesten als irgendwas mit Vollpension (oder All-you-can-eat-Buffet) genutzt, steht derzeit das Schlafen im Vordergrund.

Der Mittlere, der viel arbeitet, feiert und lernt (in dieser Reihenfolge), kommt jedes Wochenende noch ein bisserl bleicher nach Hause, um zuerst einmal auszuschlafen. Der Jüngste hat von Freitag auf Samstag bei einem Freund übernachtet und verschwindet danach sofort in seinem Zimmer. Er taucht erst gegen 18 Uhr wieder auf, ohne genau zu wissen, welches Jahr, welcher Wochentag, welche Tageszeit gerade ist. So tief kann man leider nur als Teenager schlafen. Am Ende sitzen alle um den Tisch herum und essen. Kann bitte jemand die Kühlschranktür zumachen?

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