Symbolik und Politik

Wirklich keine Ahnung vom Wolfsgruß?

Merih Demiral streckt beide Hände weithin sichtbar zum Wolfsgruß.
Merih Demiral streckt beide Hände weithin sichtbar zum Wolfsgruß.Sebastian Christoph Gollnow
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In Österreich ist das Symbol verboten, der türkische Nationalspieler Merih Demiral gab sich Dienstagnacht ahnungslos. Zum Mythos hinter der Geste – und warum der Wolf immer der Böse ist.

Es sei doch nur eine Jubelgeste gewesen, meinte der türkische Nationalspieler Merih Demiral nach dem EM-Achtelfinale. Doch wer würde glauben, dass die Geste, die er nach seinem zweiten Treffer am Dienstagabend mit beiden Händen formte, nur ein mimisches „Hurra“ wäre? Es ist der sogenannte Wolfsgruß, den Demiral da zeigte – und er wurde Abermillionen Menschen in die Wohnzimmer gespielt. Der Fußballer selbst gab sich bei einem Interview nach Mitternacht unbedarft. Er habe nur seine Landsleute grüßen wollen, die Geste bei anderen im Stadion gesehen. Es stecke „keine versteckte Botschaft“ dahinter. Aber er sei „sehr stolz darauf, ein Türke zu sein“, und das habe er „auch gezeigt“.

In Österreich verboten

Nun, er hat er mehr gezeigt. Der Wolfsgruß ist das Zeichen der türkisch-nationalistischen Grauen Wölfe und damit politisch stark punziert. Er steht für Verfolgung von Minderheiten, brutale Unterdrückung und extremen Nationalismus. Und er stellt eine Symbiose von Nationalismus und Islam dar. Die in der Türkei mitregierende, ultranationalistische Partei MHP stützt sich auf den Gruß. In Europa sieht man ihn immer wieder bei Veranstaltungen und Demonstrationen: Zeigefinger und kleiner Finger sind nach oben gestreckt, sie bilden die Ohren des Wolfs. Die anderen Finger zusammengepresst, sie symbolisieren den Kopf, das Maul.

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