Wein

Lenz Moser ist 175 Jahre alt

Lenz Maria Moser macht Wein in China, aber nicht in Rohrendorf.
Lenz Maria Moser macht Wein in China, aber nicht in Rohrendorf.Jana Madzigon
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1849 wurde das Weingut gegründet und ging durch Höhen und Tiefen. Aber Lenz bleibt Lenz: Auch wenn der eine heute Wein in China macht.

Unsere Werbekampagne konzentriert sich natürlich voll auf unser Jubiläum“, erzählt Helmut Amon. Er ist Marketingleiter der Kellerei Lenz Moser in Rohrendorf bei Krems. Tradition wird hier großgeschrieben. Und das zu Recht.

Lenz Moser steht nach wie vor für Vision und Revolution im Weinbau. Die Rede ist von Lenz Moser III., dem Professor, der nach dem Zweiten Weltkrieg die „Lenz-Moser-Hochkultur“ erfunden hat. Dass Weingärten aussehenm wie sie aussehen, die Rebstöcke entlang gespannter Drahtseile in Reih und Glied stehen, ist ihm zu verdanken. Noch heute schmökern Winzer in Lenz Mosers Büchlein „Weinbau einmal anders“ aus den 1950ern. Darin finden sich Sätze wie: Man solle sich davor hüten, „die Technik zum Götzen“ zu machen. Winzer sollen keine „nervösen Geschäftemacher oder herzkranke Manager“ werden. Vor allem fordert er, dass Bauern „mehr den Kopf als die Hände arbeiten“ lassen sollen.

Lenz Moser avancierte zu einem über die heimischen Grenzen bekannten Weingut. Der alte Weinprofessor starb 1978. Der Weinskandal 1985 blieb ihm erspart, und auch die schwerste Krise in der Unternehmensgeschichte. Die Absatzmärkte brachen ein, und die Familie musste das Unternehmen 1986 verkaufen. An die VÖZ AG in Linz. Der Lebensmittelhändler steht bis heute hinter der Kellerei.

Reicht Tradition allein aus?

Aber kann man mit Tradition allein noch Wein verkaufen? „Wir setzen auf Innovation und wollen vor allem jüngere Leute ansprechen“, sagt Amon. Kann man mit einem Rotwein namens Alter Knabe junges Publikum begeistern? Amon lacht. „Sie werden es nicht glauben, aber der Alte Knabe hat bei den Jungen fast Kultstatus.“ Lenz Moser steht heute für gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für jugendlichen Flair sollen neue Marken wie Lenz Rock oder Lenz Dance sorgen. Mit Servus 5 steht ein Wein im Supermarktregal, dem Alkohol entzogen worden ist. Nur fünf Volumsprozent. „Ideal für den Sommer“, sagt Amon.

Wichtig ist den Rohrendorfern, dass nur österreichische Trauben verarbeitet werden. Neben den eigenen Weingütern im burgenländischen Siegendorf und im niederösterreichischen Mailberg, wo der Malteser Ritterorden gekeltert wird, verarbeitet Lenz Moser Trauben von rund 2000 Familienbetrieben.

Weinverkauf in China

„Nur Trauben aus Österreich?“, hört Amon mitunter von empörten Kunden. „Ihr verkauft ja auch Wein aus China!“

Das ist ein Irrtum. Denn der in China, das ist Lenz Moser V. Der Enkelsohn des legendären Weinprofessors wurde in Rohrendorf geboren, erlebte die Wirren des Weinskandals und den Verkauf hautnah mit, war bis 1998 noch im Ma­nagement der Kellerei Lenz Moser, dann trennten sich aber die Wege.

Doch der Name blieb. Lenz bleibt Lenz. „Ich war lang genug Teil dieser Geschichte“, erzählt Lenz Moser und sagt: „Ich trage den Namen mit Stolz.“ Damit es keine Brösel mit der Marke Lenz Moser gibt, quetscht er seinen zweiten Taufnamen dazwischen: „Lenz Maria Moser“ also. Und seit mittlerweile 19 Jahren arbeitet er bei Changyu, einem der größten Weinbaubetriebe Chinas. Nur zum Vergleich: Lenz Moser hat im Vorjahr knapp 7,7 Millionen Flaschen Wein abgefüllt, bei Changyu waren es 100 Millionen. Lenz Maria Moser ist dort aber nur für eines von acht Weingütern verantwortlich, und das nennt sich mittlerweile Chateau Changyu Moser XV.

Die römische 15 kommt übrigens davon, dass die Winzerdynastie Moser mittlerweile 15 Generationen umspannt. Und auf Dynastien mit langer Tradition steht man in China. Die Rotweine, die Moser in China macht, wollen im Konzert der Großen mitspielen. Preislich tun sie das bereits. Um das Geld für eine Flasche Cabernet Sauvignon Purple Air Comes from the East bekommt man den Kofferraum mit Alten Knaben voll. Und es ist nicht gesagt, welche Investition jetzt besser wäre.

Lenz oder Hans Dampf

Lenz M. Moser auf China zu reduzieren wäre falsch. Er ist ein vinophiler Hans Dampf in allen Gassen. Mit dem Traisentaler Spitzenwinzer Markus Huber kreierte er die Marke New Capter, einen Grünen Veltliner auf Lifestyle gebürstet. In Portugal arbeitet er mit dem bekannten Winzer Pedro Ribeiro zusammen, ihren Arinto füllen sie in Ultraleichtflaschen und versorgen damit verwöhnte Businessclass-Überflieger. Auch in Ungarn ist Lenz unterwegs. Nur nicht in Rohrendorf.

Dort wird zwar Geburtstag gefeiert, aber die Umsätze gingen in jüngster Zeit zurück. „Es wird generell weniger Wein getrunken“, sagt Amon. Und es wächst auch die Konkurrenz. Wer sich die immer größeren Weinregale in den Supermärkten ansieht, merkt, dass mittlerweile fast jeder Hobbywinzer dort Platz hat. Und dann kommt da noch das Problem, dass die Österreicher mit den ,Großen‘ generell fremdeln. „Aber wir sind kein Industriebetrieb“, meint Helmut Amon. Hinter Lenz Moser stehen 2000 Familienbetriebe, die tolle Produkte liefern, betont er. Und alles 100 Prozent aus Österreich. „Und sicher kein Wein aus China.“

Auf einen Blick

Weinkellerei. Lenz Moser feiert 175. Geburtstag. Die Tradition der Familie
Moser reicht 15 Generationen zurück. Weinpionier Lenz Moser III. prägt bis heute den heimischen Weinbau. Sein Enkel Lenz Maria Moser macht Wein in China. Die Kellerei ist seit 1986 in Besitz der VOZ AG und setzt ausschließlich auf österreichischen Wein.

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