Geschichte

Der Kaiser, der sich als Genie sah

Man müsse über allen Dingen stehen und zugleich tarnen und täuschen können, war die Devise von Maximilian I.
Man müsse über allen Dingen stehen und zugleich tarnen und täuschen können, war die Devise von Maximilian I. Albrecht Dürer, 1519 / Picturedesk / Sammlung Rauch
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Der Habsburger Maximilian I. wird oft als „letzter Ritter“ zitiert. Tatsächlich war er ein Renaissancefürst mit einem Hang zur Pedanterie.

Mächtiger Herrscher und Renaissancefürst, unermüdlicher Arbeiter und akribischer Pedant: „Nach heutigen Maßstäben könnte man ihn als Kontrollfreak bezeichnen“, sagt der Historiker Andreas Zajic vom Institut für Mittelalterforschung der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), „Maximilian I. sah sich selbst als Experte in so gut wie allen Bereichen.“

Der Habsburger – von 1486 bis 1519 römisch-deutscher König, ab 1508 auch „erwählter“ Kaiser – steht im Mittelpunkt eines großen vom Wissenschaftsfonds FWF getragenen interdisziplinären Forschungsprojekts. Der Startschuss für den Spezialforschungsbereich „Managing Maximilian“ erfolgte 2023, die Laufzeit soll acht Jahre betragen, die Materie ist in acht Teilprojekte gegliedert. Hauptbeteiligte sind die ÖAW, die Unis Wien und Graz sowie das Kunsthistorische Museum und die Albertina. Anhand von Zehntausenden Briefen, Urkunden und Aktenstücken, aber auch mithilfe von Literatur und Kunst könnten jetzt die vielfältigen, über das reine politische Tagesgeschäft hinausgehenden Interessen des Herrschers gezeigt werden, sagt Zajic, der auch das Gesamtprojekt leitet.

Von Machiavelli beeinflusst

Natürlich hatte Maximilian I. Berater und zahlreiche Mitarbeiter. „Aber er muss einen unglaublich langen Arbeitstag gehabt haben“, sagt Zajic. Er hat eigenhändig Briefe an Familienmitglieder, Fürsten und Amtsinhaber verfasst. Wobei er sich selbst für ein Sprachgenie gehalten und nach eigenen Aussagen sechs Sprachen beherrscht hat. Mit seiner überschießenden Pedanterie war er unter den Renaissancefürsten nicht unbedingt eine Ausnahme, sagt der ÖAW-Historiker. Karl der Kühne von Burgund, der Vater seiner ersten Ehefrau Maria, hat sich bereits durch einen neuen, an die Frühe Neuzeit angepassten Regierungsstil ausgezeichnet. Durch seine zweite Ehefrau, Bianca Maria Sforza, war er wiederum mit den italienischen Höfen verbunden.

»Das Überraschendste war, dass sich Maximilian an ein und demselben Tag mit riesigen umwälzenden Problemen auseinandergesetzt und dann wieder die eigenen Bedürfnisse bis ins Detail geregelt hat.«

Andreas Zajic,

Historiker

Zudem dürften Theoretiker wie der etwas jüngere Niccolò Machiavelli den Habsburgerregenten beeinflusst haben. Man müsse über allen Dingen stehen und zugleich tarnen und täuschen können, so Maximilians Devise. Er wollte sich in seinen Schriften geradezu als Universalgenie vermarkten und eine einzigartige Stellung einnehmen.

„Das Überraschendste war“, so Andreas Zajic, „dass sich Maximilian an ein und demselben Tag mit riesigen umwälzenden Problemen auseinandergesetzt und dann wieder die eigenen Bedürfnisse bis ins Detail geregelt hat.“ In seinen Überlegungen setzte er sich mit einem Kreuzzug gegen die Osmanen auseinander, und in einem seiner Briefe meinte er, dass wohl er selbst der bessere Papst wäre. „Typisch für ihn war, dass er spontane Einfälle und Bedürfnisse genauso wichtig nahm wie die große Politik“, stellen Zajic und die an der Uni Wien für das FWF-Projekt zuständige Historikerin Christina Lutter fest.

Einsatz fürs eigene leibliche Wohl

Im Zuge seiner Herrschaftspolitik interessierte sich Maximilian für die neuesten Waffen. So gelang ihm auch 1504 die Einnahme der von den Bayern gehaltenen gewaltigen Festung von Kufstein durch den Einsatz seiner damals stärksten Geschütze, die er mit Flößen von Innsbruck herbeischaffen ließ. Mit Stolz ließ er das damals modernste Waffenarsenal in drei Prunkhandschriften mit Deckfarbmalereien und Blattgold dokumentieren. Überliefert ist sein persönlicher Einsatz für sein eigenes leibliches Wohl. So ließ er ein Gefäß mit Erbsensaatgut nach Innsbruck schaffen, um eine einheitliche Musterzucht der ihm schmackhaften Erbsensorte anzuregen. Ähnliche Schreiben sind über Obstsorten oder besondere italienische Weinsorten erhalten.

Sehr präsent in den Korrespondenzen sind seine Beziehungen zu den Frauen der Herrschaftsfamilie, allen voran zu seiner Tochter Margarete, Statthalterin der habsburgischen Niederlande. Auch seine zweite Frau, Bianca Maria, konnte Einfluss auf die Politik nehmen.

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