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Zahl der Bahnreisen 2023 erneut gestiegen

Immer mehr Menschen fahren mit dem Zug. 
Immer mehr Menschen fahren mit dem Zug. Imago/Walter Geiersperger
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Die Nachfrage im Personenverkehr lag 2023 mit 328,3 Millionen Fahrgästen „auf einem Allzeit-Hoch“. Der Güterverkehr hingegen lahmte, so die Regulierungsbehörde Schienen-Control.

Immer mehr Menschen fahren mit dem Zug. Im abgelaufenen Jahr ist die Zahl der Bahnreisenden wieder spürbar nach oben gegangen. Sie erhöhte sich gegenüber dem Jahr davor um rund 33 Millionen auf 328,3 Millionen Fahrgäste, ein Zuwachs um mehr als elf Prozent, wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Regulierungsbehörde Schienen-Control von heute, Freitag, hervorgeht. Das waren auch um knapp zwölf Millionen mehr als vor der Pandemie, im Jahr 2019. Der Güterverkehr hingegen lahmte.

Indes war die Nachfrage im Personenverkehr 2023 den Angaben zufolge „auf einem Allzeit-Hoch“. Das Angebot sei durch Ausweitungen und Taktverdichtungen bei bestehenden Verbindungen bzw. die Einführung neuer Relationen wieder umfangreich verbessert worden, hieß es seitens der Behörde. 132,1 Millionen Personenzugkilometer seien im österreichischen Schienennetz angeboten worden.

Neue Verbindungen und mehr Anbieter

„Ausschlaggebend für diese Verbesserung waren neu aufgenommene Fern- bzw. Nachtverkehrsverbindungen der ÖBB-Personenverkehr und der Westbahn“, erklärte die Schienen-Control.

Die Anzahl der Anbieter am Markt habe zugenommen. „Mit 66 Unternehmen waren so viele wie noch nie dazu berechtigt, im ÖBB-Netz Züge zu führen“, berichtete die Aufsichtsbehörde. Insgesamt waren im abgelaufenen Jahr 88 Eisenbahnunternehmen (Infrastruktur-, Verkehrsunternehmen, integrierte Unternehmen) gemeldet. Neu hinzu kamen den Angaben zufolge die deutschen Güterverkehrsunternehmen BUDAMAR West, Retrack und smart rail traction sowie das österreichische Unternehmen Graf Railservice, die alle jeweils einen Infrastruktur-Nutzungsvertrag mit der ÖBB-Infrastruktur besitzen. Weiters habe die deutsche TrainLog eine Sicherheitsbescheinigung für Güterverkehre in Österreich erhalten. Und mit der Schiene Oberösterreich gebe es nach längerer Zeit wieder einen neuen, zusätzlichen Infrastrukturbetreiber.

Parallel dazu hätten der belgische Incumbent Lineas und das österreichische Unternehmen twentyone seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 hierzulande keinen gültigen Infrastruktur Nutzungsvertrag mehr. Über die Grampetcargo Austria sei ein Insolvenzverfahren eröffnet und die schweizerische Transalpin Eisenbahn sei liquidiert worden.

Die Fahrgäste, die von Österreichs Eisenbahnunternehmen befördert wurden, legten 14,5 Mrd. Personenkilometer zurück. Somit fuhr jeder Zugreisende im Schnitt 44,3 Kilometer im heimischen Schienennetz.

Rückgang im Güterverkehr

Im Güterverkehr der Bahn kam es zu einem Rückgang bei den gefahrenen Nettokilometern (minus 5,2 Prozent) und den Bruttotonnenkilometern um 5,2 beziehungsweise 5,0 Prozent. Die beförderten Nettotonnen bremsten sich um 6,7 Prozent ein. „Diese Entwicklung ist hauptsächlich auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld zurückzuführen“, so die Schienencontrol. Zur geringeren Industrieproduktion und zu den hohen Energiepreisen hinzugekommen seien auch noch „Streckensperren und Personalprobleme“.

Den größten Marktanteil bei den Nettotonnenkilometern nach Unternehmensgruppen hielt 2023 der ÖBB-Konzern (Rail Cargo Austria) mit 57,6 Prozent, (minus 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die zweitgrößte Gruppe bildeten laut Schienen-Control Bahnen im Privateigentum (z.B. Lokomotion, Ecco-Rail) mit einem Marktanteil von 25,8 Prozent. Die Rail Cargo Austria hat abermals einen Verlust an Marktanteilen zu verzeichnen - diese verringerten sich gegenüber 2022 von 60,8 Prozent auf 57,5 Prozent.

Hervorzuheben sind in dem Zusammenhang laut Schienen-Control „die bemerkenswert hohen Marktanteile von 60 Prozent auf der Brenner- und 57 Prozent auf der Westachse“. Alleine über den Grenzübergang Passau würden beispielsweise etwa 20 Prozent des gesamten heimischen Schienengüteraufkommens geführt.

Auf zwei der drei österreichischen Haupttransitachsen würden deutlich mehr als die Hälfte aller Bruttotonnenkilometer von Eisenbahnunternehmen außerhalb des ÖBB-Konzerns abgewickelt. Auch auf den weiteren bedeutenden Transitstrecken wie Pyhrn, Semmering und Tauern als Teil der sonstigen internationalen Achsen hätten die Mitbewerber in den letzten fünf Jahren um zehn Prozentpunkte kräftig zugelegt.

Weniger Beschränkungen im Warenverkehr

Im Gegensatz zu den Jahren davor habe es nur wenige Beschränkungen im internationalen Warenverkehr gegeben. Allerdings habe dem Schienengüterverkehr eine Vielzahl anderer Faktoren zu schaffen gemacht. „Infolge sinkender Industrieproduktion ging die Transportnachfrage in Europa konjunkturbedingt zurück“, berichtet die Behörde.

Die 2022 vom Krieg Russlands in der Ukraine ausgelösten Verwerfungen auf den Energiemärkten - massive Steigerung der Bahnstrompreise bei gleichzeitig deutlich günstigerer Entwicklung der Mineralölpreise - hätten sich fortgesetzt und sich gemeinsam mit dem hohen allgemeinen Preisniveau auf die Traktionskosten und somit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen ausgewirkt. Auch „umfassende Infrastrukturarbeiten und baustellenbedingte Umleitungen sowie die teils mangelnde Betriebsqualität im benachbarten Ausland (vor allem in Deutschland)“ beeinflussten die Planung und Durchführung von Verkehren. Es herrsche zudem weiterhin ein Mangel an qualifiziertem Personal und ein europaweiter Engpass beim verfügbaren Rollmaterial (Triebfahrzeuge und Güterwagen).

„Aufgrund all dieser Umstände verstärkte sich 2023 der Verlagerungsdruck hin zur Straße“, hielt die Schienen-Control fest. Die beförderten Nettotonnen sanken 2023 gegenüber dem Jahr davor von 118 auf 110,8 Millionen, die Nettotonnenkilometer von 23,8 auf 22,6 Milliarden und die Bruttotonnenkilometer von 46,9 auf 44,6 Milliarden. (APA)

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