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Gletscherrückzug auch direkte Gefahr für den Menschen

Ein ehrenamtlicher Gletschermesser des Österreichischen Alpenvereins beim Nachmessen von Messpunkten am Ochsentalgletscher in der Silvretta.
Ein ehrenamtlicher Gletschermesser des Österreichischen Alpenvereins beim Nachmessen von Messpunkten am Ochsentalgletscher in der Silvretta.Alexander Fuchs
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Weitere Nachrichten rund um Umwelt, Klima & Technik mit gefährlichem Glyphosat für Meeresbewohner, dem Tausendsassa Permakultur, einem Frühwarnsystem für Hitze-Hotspots und österreichischer Technologie an Bord der neuen ESA-Trägerrakete.

Rückzug der Gletscher birgt neue Gefahren

Der Winter war kalt, das Frühjahr nass – nichtsdestoweniger geht der wissenschaftliche Gletschermessdienst des Alpenvereins davon aus, dass die Gletscher in Österreich auch heuer an Masse und Länge verlieren. Überhaupt nimmt man an, dass österreichische Gletscher bis 2070 völlig abgeschmolzen sein werden. Das birgt für das Begehen zusätzliche Risiken, etwa, wenn die Oberfläche Risse bekommt, Spalten größer werden oder Zungen wegbrechen. Die Pasterze (Kärnten), der größte Gletscher Österreichs, könne nur noch mit Seilbrücken der Bergrettung vermessen werden; der Gletscherbach sei zu einem reißenden Fluss angeschwollen, heißt es.

Glyphosat tötet winzige Meeresbewohner

Schon geringste Konzentrationen von Pestiziden reichen aus, um wichtige Einzeller im Meer – sogenannte Foraminiferen, die u. a. wichtig für die Stabilisierung der Riffe sind – irreparabel zu schädigen. Besonders negativ wirkt sich Glyphosat aus. Das zeigen Wiener For­schende nach Experimenten mit dem Herbizid sowie einem Insektizid und einem Fungizid im Fachmagazin Marine Pollution Bulletin. Foraminiferen reagieren rasch auf Umweltveränderungen, das macht sie zu guten Bioindikatoren. Ihre Kalkschale schützt etwa Korallen vor zu niedrigen pH-Werten. Auch das Fungizid schaltete die Lebewesen aus; das Insektizid wirkte sich weniger negativ aus. Die Forschenden fürchten, dass zunehmende Unwetter und ein erhöhter Pestizideinsatz durch intensive Landwirtschaft zu einem deutlichen Anstieg der Pestizidkonzentration im Meer führen könnten.

Permakultur nutzt Böden und Artenvielfalt

Permakultur bedeutet, natürliche Kreisläufe und Ökosysteme als Vorbild bei der Bewirtschaftung zu nutzen. Ein österreichisch-deutsches Forschungsteam zeig­te nun, dass dieser Zugang die Böden verbessert, die Artenvielfalt auf den Flächen steigert und außerdem mehr Kohlenstoff als im industriellen Anbau gespeichert wird. Auch die Erträge seien rentabel, heißt es. Verbesserte Nährstoffgehalte in den Böden ließen außer­dem vermuten, dass auch die Nährstoffgehalte in den produzierten Feldfrüchten höher sind. Das berichten die Forschenden im Fachjournal Communications Earth & Environment.

Analyseteam sucht Hitze-Hotspots für neues Frühwarnsystem

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Anzahl der Tropennächte in Österreichs Großstädten mehr als verdoppelt, jährlich sind bis zu 500 Hitzetote zu beklagen. Aber Hitze ist nicht gleich Hitze. Selbst in geografisch kleinen Räumen kann sich ihre Erscheinung deutlich unterscheiden. Forschende um den Komplexitätsforscher Peter Klimek (CSH Wien) arbeiten deshalb an der Entwicklung eines Hitzefrühwarnsystems. Sie kombinieren dazu u. a. zehn Millionen Wetterdatenpunkte mit 57 Millionen Hospitalisierungen und Umfragedaten von Pflege- und Sanitätspersonal. Derzeit sucht man in den Daten nach diverseren „Hotspots“. Das Ziel ist, in Zukunft möglichst kleinräumig und über den Zeitverlauf hinweg punktgenau festzumachen, wo es wahrscheinlich hitzebedingt vermehrt zu Gesundheitsproblemen kommen wird. 

Hitze ist nicht gleich Hitze. Das merkt jeder, der sich an einem schwülen Tag durch die Stadt bewegt.
Hitze ist nicht gleich Hitze. Das merkt jeder, der sich an einem schwülen Tag durch die Stadt bewegt.APA / Eva Manhart

Premiere für Ariane 6: Teile aus Österreich sind mit an Bord

Passen Wetter und Begleitumstände, startet am Dienstag mit Ariane 6 die neue Trägerrakete von Europas Weltraumagentur ESA. Ob der Termin am Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guyana, hält oder nicht – mit an Bord ist auch diesmal Technologie aus Österreich. Das Hightech-Unternehmen TTTech hat u. a. Teile für die Bordelektronik geliefert. Testfuchs Aerospace Systems entwickelte Wasserstoff- und Sauerstoffrückschlagventile. Die Firma Hage Sondermaschinenbau fertigte eine Anlage zur Bearbeitung von Verschlusskappen. Die Tankabdeckung kam vom Stahlbearbeitungsunternehmen ISW, das Zündergehäuse vom Edelstahlunternehmen Böhler. Und Österreichs größter Weltraumzulieferer Beyond Gravity produzierte die Hochtemperatur-Thermalisolation für die Raketenantriebe. Ariane 6 wird 16 Experimente und Kleinsatelliten – unter anderem zur Messung wichtiger Klimavariablen (z. B. zur Messung der Bodenfeuchtigkeit und des Salzgehalts in den Ozeanen) – in die Umlaufbahn befördern.

(APA/cog/gral)

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