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Grüne zeigen Film von umstrittener Aktivistin Vandana Shiva – und ernten Kritik

Beim grünen Wanderkino in Perchtoldsdorf soll ein Film über die umstrittene Umweltaktivistin Vandana Shiva gezeigt werden. Bei den deutschen Grünen war sie ebenfalls bereits zu Gast.

Vandana Shiva, indische Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und Feministin
Vandana Shiva, indische Umweltschützerin, Bürgerrechtlerin und FeministinMirjam Reither, Presse

Es ging um „Bill Gates globalen Neo-Feudalismus“. Zu der Sendung lud Robert F. Kennedy Jr. ein, und sein Gast war die indische Umweltaktivistin Vandana Shiva. In der Sendung diskutierte der Spross des Kennedy-Clans und Anhänger von Verschwörungstheorien mit Shiva darüber, wie Gates gemeinsam mit der Pharma-, Tech- und Chemieindustrie das Ökosystem und somit die Gesundheit der Menschen zerstöre. In einem anderen Interview lobt Shiva, dass Russland frei von gentechnisch modifizierten Organismen (GMOs) sei, die Ukraine hingegen nicht. Sie insinuiert, dass der russische Angriffskrieg ein von den USA orchestrierter Putsch war.

Shiva ist eine bekannte Aktivistin, sie wurde oft ausgezeichnet und hat viele Bewunderer, zu ihnen gehört der britische König Charles. Die studierte Physikerin, Philosophin und Globalisierungskritikerin forschte zum Thema Ökofeminismus, setzt sich für Bio- bzw. traditionelle Landwirtschaft, für Biodiversität und gegen Monokulturen sowie gegen Kunstdünger ein. Bekanntheit erlangte sie durch ihren Kampf gegen Glyphosat; sie sei „Monsantos Albtraum“ hieß es mit Blick auf das Biotechnologie-Unternehmen.

Umstrittener Gast der Grünen

Shiva ist viel gebuchte Rednerin, trat auch beim Bundesparteitag der deutschen Grünen auf. Allerdings ist die Aktivistin nicht unumstritten, sie fällt immer öfter mit verschwörungstheoretischen Ansätzen auf. Darüber hinaus lehnen Wissenschaftler Shivas pauschale Verurteilung von GMOs ab; dadurch werde auch viel Falschinformation über Gentechnik verbreitet. Pestizide hätten zu einer höheren Suizidrate unter indischen Landwirten geführt, sagt Shiva. Die Zahlen belegen diese Behauptung allerdings nicht. Auch ist Shivas Aussage nicht belegbar, dass Covid-19 auf Experimente mit gentechnisch modifizierten Organismen (Gen-Soja) zurückzuführen sei.

Nun herrscht wegen Shiva Kritik in den sozialen Netzwerken. Grund dafür ist ein Film, den die niederösterreichischen Grünen derzeit auf Plakaten bewerben und der am 3. August im grünen Wanderkino in Perchtoldsdorf ausgestrahlt werden soll. Der Titel lautet: „Vandana Shiva - Ein Leben für die Erde“. „Ihre extremistischen Methoden & Ideologie haben zu tausenden Hundertoten (gemeint wohl Hungertoten, Anm.) auf Sri Lanka geführt“, schreibt etwa eine Userin auf dem Kurznachrichtendienst „X“. Und zieht einen Vergleich: „Das wäre so, wie wenn die FPÖ einen Film über Martin Sellner und wie toll er ist, zeigen würde.“

Grünen Perchtoldsdorf: „Film zeigen, heißt auch - hinterfragen, diskutieren, einordnen“

„Die Filmauswahl wird von den örtlichen Gruppen eigenständig entschieden, weder die Bundespartei noch die Landespartei hat darauf einen Einfluss“, sagt Michael Pinnow, Sprecher der niederösterreichischen Grünen, von der „Presse“ damit konfrontiert.

Seitens der Grünen Perchtoldsdorf heißt es: „Einen Film über eine Person zu zeigen heißt: ihre Positionen zu hinterfragen, zu diskutieren und einzuordnen. Es heißt nicht: unkritisch und zu 100% alle Äußerungen, Handlungen etc. gutzuheißen. Der Widerstand gegen ihre Person zeigt mir vielmehr, dass sie wichtige Themen behandelt hat - und noch behandelt. Und sich dadurch auch viele Feinde gemacht hat. In der Diskussion nach dem Film wird dafür Zeit sein, sich auch mit den strittigen Kapiteln ihres Lebens auseinander zu setzen.“

(duö/hell)

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