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st das Wahlergebnis in der Ukraine de mokratisch zustande gekommen? Oder ist es nur das salomonische Urteil einer politisch hörigen Wahlkommission, die mit einem über den Daumen gepeilten Patt-Ergebnis keinem der Bewerber vorerst den Sieg schenken wollte? Vor allem dann, wenn dieser eigentlich dem Kandidaten der Opposition zustehen würde. Vieles lässt darauf schließen, dass es bei den Präsidentenwahlen in der Ukraine nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Die Opposition schreit erbost "Wahlbetrug". Und internationale Beobachter haben ein eindeutiges Urteil gefällt: Die Wahl habe demokratischen Normen nicht entsprochen.
Im Kreml sieht man das alles nicht so eng. Russland erweist sich als großzügig, wenn es darum geht, Nachbarn die Einhaltung demokratischer Grundsätze zu bescheinigen. Schon an der Wahlfarce in der Diktatur Weißrussland hatte man in Moskau nichts auszusetzen. Was sind da schon kleine Schwindeleien in der Ukraine? Hauptsache der vom Kreml favorisierte Politiker schneidet gut ab.
Mit dem Patt im ersten Durchgang hat der Kreml Zeit gewonnen. Zeit, die er nutzen sollte, um seine bisherige Politik in der Ukraine zu überdenken. Soll man nach wie vor Premier Janukowitsch unterstützen oder vielleicht doch besser den Oppositionskandidaten? Oder wäre es nicht überhaupt klüger, sich in die internen Belange des Nachbarstaates gar nicht mehr einzumischen?