Glosse: Manner und die Moral

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ie Welt ist während der ver gangenen Jahre ein unge mütlicher Platz geworden. Die schöne Illusion, dass nach dem "Ende der Geschichte" für den Rest der Äonen Demokratie und Marktwirtschaft den Frieden auf Erden garantieren würden, hat keine zehn Jahre gehalten. Düstere Prophezeiungen wie Hans Magnus Enzensbergers "Aussichten auf den Bürgerkrieg" und Samuel Huntingtons "Kampf der Kulturen" haben Hochkonjunktur, die Hervorbringungen der 90er-Jahre-Spaßkultur sind vergessen.

Auch im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf, heißt es, verschärft sich der Ton. Am kommenden Mittwoch tagt das Schiedsgericht zur Überwachung des Fairnessabkommens. Es beschäftigt sich mit der Frage, ob die Verteilung von Mannerschnitten mit den Gesetzmäßigkeiten der politischen Moral, wie sie von Immanuel Kant bis Rudolf Kirchschläger formuliert worden sind, in Einklang zu bringen ist. Der Vorsitzende des Schiedsgerichts, vormals Präsident des Verfassungsgerichtshofes, hat ein einschlägiges Gutachten in Auftrag gegeben.

Ja, ja, man soll die Kirche im Dorf lassen: Wollten wir alles, was in unserem kleinen Land passiert, vor dem Hintergrund der bedrohlichen Weltlage betrachten, könnten wir zusperren. Aber irgendwann muss auch Schluss sein.

Der amtierende Präsident hat das Amt im Lauf seiner Amtszeit beschädigt. Sein(e) Nachfolger(in) wird diese Aufgabe bereits bei Amtsantritt erledigt haben.

chefredaktion@diepresse.com

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