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er Parteichef glänzte durch Abwe senheit. Das neue Wirtschaftspro gramm der SPÖ wurde - in sehr groben Zügen - am Montag ohne ihn präsentiert. Die Show gehörte dem umtriebigen Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter, der zu Beginn der Pressekonferenz auf einen kleinen SP-Richtungsstreit anspielte. "Ich darf noch sprechen", meinte Matznetter, nachdem Gusenbauer klarstellen musste, dass die SPÖ keine höhere Sparbuch-Steuer für Besserverdiener befürworte. Matznetter hatte darüber laut nachgedacht.
Das ist aber nicht das einzige wirtschaftspolitische Thema, bei dem Gusenbauer und sein "breites" Team (Gabi Burgstaller) in verschiedene Richtungen marschieren. Matznetter sieht in seinem Programm das Heil für das Pensionssystem in höheren Steuern. Gusenbauer denkt da mehr an Reformen und (etwas) höhere Beiträge.
Matznetter bewundert wie Michael Häupl den Intimfeind des deutschen Kanzlers Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine. Gusenbauer hat deutlich mehr Verständnis für Schröder. Matznetter wandte sich gegen die Senkung der Körperschaftssteuer, bevor er auf Gusenbauers (Regierungs)-Linie einschwenkte. Matznetter, der Lafontaine Wiens, der Budget-Napoleon?
Nein, so wichtig ist er nicht, auch andere SP-Volkstribunen wie Oberösterreichs Erich Haider oder Salzburgs Burgstaller (etwa gegen die logische Abschaffung der Wohnbauförderung) vertreten immer wieder eine andere, weitaus konservativere Linie als Gusenbauer.
Alles nicht weiter wichtig, die VP-Querelen bei den Pensionen wiegen schwerer? Derzeit vielleicht, aber wenn Alfred Gusenbauer möglicherweise eines Tages Kanzler wird, schaut die Sache anders aus. Spätestens dann werden viele kleine Oskars in der SPÖ Gusenbauers potenziell pragmatischem Kurs im Wege stehen.
rainer.nowak@diepresse.com