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ns Rauchern geht's schön lang sam wirklich an den Kragen. Im mer mehr europäische Staaten springen auf den Anti-Raucher-Zug auf, und mit den neuen Bestimmungen wird nun auch ernst gemacht: Erst in der Vorwoche wurde, vier Monate nach Inkrafttreten des Rauchverbotes in irischen Lokalen, die erste Strafe gegen einen Pub-Besitzer verhängt. In den USA, wo Rauchen seit Jahren tabu ist, berichten Befürworter von staatlichen Restriktionen nun, dass Rauchen immer mehr zum "Relikt" wird (siehe Artikel auf Seite 17). Gleichzeitig lebt aber die Debatte um die Bevormundung der Bürger durch die Obrigkeit wieder auf, argumentiert wird sogar, dass Verbote eine Verletzung von Eigentumsrechten seien.
Für die Restriktionen gibt es aus Sicht des Staates natürlich gute Gründe, vor allem im Hinblick auf die Volksgesundheit: Rauchen zählt mittlerweile zu den häufigsten Todesursachen, und die Bedeutung wird laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter zunehmen: Die mit Raucherhusten beginnenden Lungen-Symptome lagen 1990 international an der sechsten Stelle der Todesursachen, 2020 werden sie an die dritte Stelle vorrücken. Und Lungenkrebs wird laut WHO als Todesgrund von der zehnten auf die fünfte Stelle gelangen.
Um die Krankheitskosten zu senken, hat der Staat ein Interesse, das Rauchen einzuschränken - in Österreich rauchen derzeit 2,3 Millionen Menschen, jährlich sind 14.000 "Tabaktote" zu beklagen. Eine Möglichkeit ist die Erhöhung der Tabaksteuern. Dass man mit dem Anziehen der Steuerschraube aber schnell an Grenzen gelangt, sieht man derzeit in Deutschland. Die jüngste Steuererhöhung hat zwar zu einem Einbruch des Tabakkonsums um 13 Prozent geführt - gleichzeitig sind aber auch die Steuereinnahmen gesunken. Das kann kein Finanzminister hinnehmen, eine weitere Erhöhung der Tabaksteuern ist also kaum durchführbar.
Seit Jahren heftig diskutiert wird ein kategorisches Tabakwerbeverbot. Dieses hat dramatische Konsequenzen für die Wirtschaft - so verliert etwa die Formel Eins ihren Hauptsponsor. Die Wirkung auf die Gesundheit ist unter Experten heiß umstritten. Werbung kann, so argumentieren viele Experten, zwar bestehende Bedürfnisse verstärken, aber keine neuen schaffen. Und das Bedürfnis zum Rauchen ist offenbar in der Gesellschaft gegeben.
Genau hier kann der Staat wirklich ansetzen - was auch eine neue Studie der Weltbank bestätigt. Die überwältigende Mehrheit der Raucher beginnt ihre Sucht im Jugendalter. Entscheidend sei aber nicht diese Tatsache, sondern die Frage, ob die Menschen nach Beendigung der Schulausbildung damit aufhören oder nicht. Und dabei, so sagt die Studie, sei die Information über mögliche Risken extrem wichtig. Als erstes haben Berichte über Gesundheitsschäden durch Tabakkonsum denn auch bei gut ausgebildeten Amerikanern gegriffen: Schon 1954 - vier Jahre nach den ersten Warnungen durch Ärzte und ein Jahr, nachdem diese Berichte in die Medien gelangt sind - sank bei College-Absolventen die Zahl der Raucher. Bei schlechter Ausgebildeten stieg die Zahl der Raucher hingegen noch bis 1964 an.
Völlig klar und auch unter Rauchern weitgehend unbestritten ist, dass Nichtraucher vor den schädlichen Wirkungen des Mitrauchens geschützt werden sollen. Nichtraucher-Ecken und -Zimmer soll es in jedem öffentlich zugänglichen Gebäude geben. Weitere gesetzliche Einschränkungen sind aber mit unserem liberalen Selbstverständnis, dass jeder auf seine eigene Fasson glücklich werden soll, solange er dabei andere nicht gefährdet, nicht mehr vereinbar.
Und: Wenn schon Rauchen scheibchenweise verboten werden soll - mit welchem Argument wird dann nicht auch Alkohol-Konsum untersagt? Dieser ist gleichfalls für unzählige Todesopfer verantwortlich: für Leberschäden, Kreislauferkrankungen, Verkehrsunfälle - ganz zu schweigen von Misshandlungen durch betrunkene Ehemänner.
martin.kugler@diepresse.com