Unser Wohlstand gründet auf Unternehmergeist. Ohne Unternehmer gäbe es den bequemen Rest nicht.
Wir Österreicher können stolz auf uns sein. Denn wir sind Weltmeister. Zumindest im Stolz-auf-uns-sein. Wenn Elfriede Jelinek den Literaturnobelpreis bekommt, Arnold Schwarzenegger Gouverneur wird, oder Redbull-Boss Dietrich Mateschitz der Formel 1 Flügel verleiht: Dann fühlen wir uns plötzlich ganz groß.
Dann werden im Geiste die rotweißroten Fahnen geschwenkt. Doch schaut man sich die Erfolgsgeschichten einmal näher an, dann kommt man sehr rasch zum Schluss, dass viele es nicht geschafft haben, weil sie in Österreich sind, sondern obwohl sie hier leben und arbeiten. Denn zum Erfolg gehören Attribute wie Risikobereitschaft und Gestaltungswille. Nicht gerade Wesenszüge, die den Österreicher weltbekannt gemacht hätten. Die Risikobereitschaft erschöpft sich weitgehend in der Frage, wie riskant wir Auto fahren. Gestaltungswille wird nur allzu oft mit Rücksichtslosigkeit verwechselt.
Wir Österreicher lieben eben die Sicherheit. Die Selbstständigkeit ist in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit meist ja nur der allerletzte Ausweg. Eine Notlösung, mehr nicht.
Doch man muss nicht in die Schulen oder in die Universitäten gehen, um auf die viel zitierte Vollkasko-Mentalität zu treffen. Das größte Problem heimischer Handelsbetriebe ist ja nicht die konjunkturelle Flaute oder der permanent steigende Konkurrenzkampf. Das Sorgenkind Nummer eins des heimischen Unternehmers ist sein eigenes. Etwa ein Viertel der Unternehmer steht vor der Herausforderung, in den nächsten Jahren einen geeigneten Nachfolger finden zu müssen. Immer seltener kommt dieser aus der eigenen Familie.
Wie sollen wir von Lehrern und Professoren verlangen, dem Nachwuchs mehr Eigenverantwortung und Unternehmergeist einzuimpfen, wenn das offenbar nicht einmal die Unternehmer selber schaffen?
Noch haben es tschechische, slowakische oder ungarische Unternehmer in Österreich schwer. Wollen sie in Österreich eine Firma gründen, kann das sehr schnell zum Spießrutenlauf werden. In einigen Jahren werden viele Klein- und Mittelbetriebe wahrscheinlich froh sein, wenn sie ihren Nachfolger in einem dieser Nachbarstaaten finden. Sie werden sie vermutlich sogar darum bitten müssen.
Woher kommt es also, dass Selbstständigkeit vielmehr als Schreckgespenst denn als Zukunftschance gesehen wird? Es liegt vermutlich an dem schmalen Grat, auf dem sich Unternehmertum hierzulande abspielt. Ein Grat zwischen Pleitegeier und Schadenfreude auf der einen Seite und Neid und Missgunst auf der anderen. Noch immer ist es in Österreich nicht möglich, als Unternehmer redlich zu scheitern. Der "Pleitier" begleitet den einmal Gescheiterten sein Leben lang. Auf der anderen Seite fehlt es gegenüber dem Erfolgreichen an sozialer Akzeptanz. Wer es geschafft hat, wird als "Ausbeuter" gebrandmarkt. Im besten Fall.
Wen wundert es also, dass vor zehn Jahren achtzig Prozent der Studenten als Berufstraum "Beamter" angegeben haben? Gefragt wurden nicht Juristen, sondern ausschließlich Wirtschaftsstudenten.
Gut, das war vor zehn Jahren. Mittlerweile gibt es gerade unter den Studenten eine erfreuliche, fast könnte man sagen dramatisch erfreuliche Entwicklung. Heute können sich bereits 35 Prozent der Wirtschaftsstudenten vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Das ist ein Anfang, der Grund zum Optimismus gibt.
Es gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, dass sich ein seit Jahrzehnten hartnäckig haltendes Gerücht ein für allemal in Luft auflösen wird: Die trügerische Ansicht nämlich, dass die soziale Sicherheit in Österreich auf so schönen Dingen wie Kranken-, Arbeits- oder Pensionsversicherung basiert. Das ist falsch. All unser Wohlstand wurde in erster Linie durch unternehmerischen Geist geschaffen. Ohne erfolgreiche Unternehmer gebe es nämlich den komfortablen Rest gar nicht.