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ls Zyniker drängt sich die Empfehlung auf: Wer nicht lange arbeiten will, sollte im Innenministerium anheuern, dort den Antrag auf Mitgliedschaft in der SPÖ unterschreiben und nebenbei den Herrn Minister ein bisschen kritisieren. Und schon liegt der Bescheid auf dem Tisch, den in diesen Monaten tausende Österreich gerne hätten: die Fahrkarte in die Früh-, beziehungsweise Invaliditätspension. So geschehen beim umstrittenen "Roten Ossi", der nun mit 51 Jahren in den Ruhestand geschickt wurde.
Oskar Strohmeyer ist seit Mai 2003 im Krankenstand. Wie er der "Presse" erklärt, leidet er an Magengeschwüren und einem Burn Out-Syndrom. Egal wie schlimm der Gesundheitszustand Strohmeyers ist, die genannten Krankheiten gelten weithin als heilbar und Strohmeyer könnte (und vor allem: müsste) wieder in das Büro.
Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass Innenminister Strasser nicht ganz unglücklich sein wird, auf diese Weise den lästigen Kritiker und deklarierten Sozialdemokraten los zu sein. Und darin liegt der eigentliche Skandal: Die Bundesregierung, allen voran Ernst Strasser, schickt auf gesetzlicher Basis - so nicht gerade vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben - Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes (im konkreten: der Exekutive) munter in die Frühpension. Dabei ist immer wieder der Ruf zu hören, es gebe zu wenige Polizisten - selbst Strasser klagt über personelle Engpässe.
Dabei wird gerade eine Pensionsharmonisierung diskutiert, bei der Jungen vor allem die Formel "Alle mit 65 Jahren in Pension, dafür zuerst fünf, später zehn Prozent weniger" hängen bleibt.
All das scheint Strasser und Co. auf deren Weg nicht weiter zu kümmern. Übrigens: Um sie in den Ruhestand zu schicken, benötigt man keinen Pensionsbescheid, sondern nur eine Wahl.
rainer.nowak@diepresse.com