Glosse: Freundschaft mit fatalen Folgen

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ladimir Putin kann sich auf sei ne Freunde verlassen. Es sei ja klar, dass es bei Antiterror-Aktionen wie jener in Tschetschenien auch zu Übergriffen komme, meinte nun der deutsche Bundeskanzler Schröder. Um rasch hinzuzufügen, dass man diese Gewalttaten natürlich nicht akzeptieren könne. Und auch an der Präsidentenwahl in Tschetschenien, an der hinsichtlich Fairness selbst die alten Sowjetkader ihre wahre Freude gehabt hätten, hat Schröder nichts auszusetzen. Man solle lieber an die Opfer der Anschläge auf die beiden russischen Flugzeuge denken.

Schröder hat Recht: Die Morde an russischen Zivilisten sind grauenvolle, nicht hinzunehmende Terrorakte. Er übersieht aber eines: Es ist das brutale russische Vorgehen, das zu dieser Verschärfung des Konflikts geführt hat. Es sind die Menschenrechtsverletzungen, zu denen Schröder und andere westliche Politiker seit Jahren schweigen.

Islamisten versuchen schon seit langem, sich in alle Konflikte einzumischen, von denen Muslime betroffen sind. Sie hatten das auch in Bosnien getan, doch ohne Erfolg. Damals waren die USA den bosnischen Muslimen zu Hilfe geeilt - auch deshalb, um nicht das Feld den Extremisten zu überlassen. Um die Lösung des Tschetschenien-Konflikts hat sich niemand gekümmert. Mit prekären Folgen: Flüchtlingsströme in die EU und gefährlicher Islamismus, der sich im Hinterhof Europas immer weiter ausbreitet.

wieland.schneider@diepresse.com

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