Glosse: Bin Ladens Griff nach dem Kaukasus

Der Kreml ist bei der Befriedung des Kaukasus gescheitert. Die Islamisten sind auf dem Vormarsch.

Gegen den Terror gibt es kein Allheilmittel. In Israel weiß man das schon seit Jahrzehnten. Und auch in den USA kommt man immer mehr zu dieser ernüchternden Erkenntnis. Israels Regierungen haben - mit wechselndem Erfolg - immer wieder Verhandlungen mit palästinensischen Gruppen geführt. In den USA werden Zweifel laut, ob der Weg der Härte allein zum Ziel führt.

Allein in Russland kennt man nur eine Medizin gegen das Unwesen der Untergrundkämpfer: möglichst brutales Zuschlagen ohne jeden Ansatz für eine brauchbare politische Lösung.

Dass dem Kremlherrn Putin damit kein Erfolg beschieden ist, vermochte er bisher gekonnt zu verbergen. Mit der Knebelung der Medien und dem Wegschauen westlicher Regierungen war das ein Leichtes.

Doch nun haben die tschetschenischen Rebellen mit ihrer Offensive im benachbarten Inguschetien die Augen der Welt wieder auf den umkämpften Kaukasus gelenkt - und auf das völlige Scheitern Russlands bei der Befriedung der so wichtigen Region.

Die Apparatschiks im Kreml müssen mehr Fantasie bei der Suche nach einer Lösung des Tschetschenien-Problems an den Tag legen und auch über eine Unabhängigkeit der Republik nachdenken. Sie haben schon zu lange mit ihren grausamen Methoden die Tschetschenen in die Arme der Islamisten getrieben.

Bin Laden wartet nur darauf, im Kaukasus die nächste Front zu eröffnen.

wieland.schneider@diepresse.com

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