Glosse: Der Kreml-Herr und sein Spiel mit Angst

Russlands Präsident Wladimir Putin präsentiert sich gern als starker Mann - ob in Kampfpiloten-Montur, im Judo-Kimono oder im staatsmännischen dunklen Anzug. Er werde den Terroristen aus dem Kaukasus schon noch das Fürchten lehren, zischte er erst jüngst am Grab des ermordeten tschetschenischen Präsidenten Kadyrow.

Es sind aber nicht die Rebellenverstecke in den tschetschenischen Bergen, in denen die Angst umgeht; es sind die Straßen der russischen Großstädte. Die Angst, Opfer eines Anschlags zu werden - in der U-Bahn, in einem Theater oder in einem Flugzeug.

Putin hat mit der Furcht der Menschen rücksichtslos gespielt, um seine Macht auszubauen. Um das zitternde Volk hinter den breiten Schultern des KGB- und Kampfsport-gestählten Staatschefs zu vereinen.

Doch nun ist es gerade diese Furcht, die die Machtbasis des Kreml-Herrn aufzuweichen beginnt. Misstrauen macht sich im Volk breit: Warum wollte man nicht gleich zugeben, dass der Absturz der Flugzeuge Terror war? Warum hat man auch diesmal so lange gewartet, bis man den Hinterbliebenen erzählte, was ihren Angehörigen zugestoßen ist - so wie damals, beim Untergang des Atom-U-Bootes Kursk vor vier Jahren.

Putin hatte versprochen, den Kaukasus zu befrieden und den Terror zu beenden. Diese Strategie ist fehlgeschlagen. Das sehen immer mehr Russen immer deutlicher - gerade jetzt, vor den Präsidentenwahlen in Tschetschenien.

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