Der Palästinenserchef blieb über Jahrzehnte eine Ikone des Untergrundkampfes gegen Israel.
Sein Konterfei ist im Westjordanland und im Gazastreifen allgegenwärtig. Der Rais blickt von riesigen Plakaten väterlich auf sein palästinensisches Volk herab; lacht von kitschigen Wanduhren, die Finger zum obligaten Victory-Zeichen geformt. Nichts konnte bei den Palästinensern den Mythos Arafat zerstören: Nicht die Agitation radikalerer Kräfte wie der Hamas; und schon gar nicht die Versuche Israels, dem Ansehen des Palästinenserpräsidenten mit Militäraktionen Schaden zuzufügen.
Zwar wuchs in den vergangenen Jahren im Westjordanland und Gazastreifen der Unmut über die Korruption der Palästinenserbehörde und Jassir Arafats politische Mitverantwortung am Elend der Palästinenser. Doch der wurde nur sehr versteckt artikuliert. Denn die Kämpfer des Rais waren stets bereit, notfalls mit Gewalt dafür zu sorgen, dass niemand es wagt, an dem Mythos zu kratzen.
Über Jahrzehnte blieb Arafat so die Ikone des Widerstands gegen Israel; die Integrationsfigur, die die verschiedenen, oft verfeindeten Palästinensergruppen doch irgendwie zusammenzuhalten vermochte.
[*] Am bewaffneten Kampf beteiligte sich der 1929 geborene Arafat schon recht früh. Eigenen Angaben zufolge nahm er bereits in den 30er Jahren an Aktionen gegen jüdische Gruppen und Palästinas britische Mandatsmacht. Während des ersten israelisch-arabischen Krieges 1948 schmuggelte Arafat Waffen für die arabischen Truppen und floh später nach Kairo. Im zweiten Krieg gegen Israel 1956 kämpfte er als Leutnant der ägyptischen Armee.
[*] 1959 gründete Arafat unter dem Decknamen "Abu Ammar" die palästinensische Kampforganisation "Al Fatah". 1969 wurde er Chef der "Palästinensischen Befreiungsorganisation" PLO und damit Hauptorganisator des Guerillakrieges gegen Israel.
[*] 1970 kam der erste große Rückschlag für Arafat und seine PLO. Im sogenannten "Schwarzen September" ließ Jordaniens König Hussein seine Truppen gegen die Palästinenser-Milizen vorgehen, da Arafat zu einer Gefahr für die Macht des Monarchen geworden war. Husseins Armee vertrieb die PLO aus Jordanien.
[*] In den nächsten Jahren griffen palästinensische Untergrundgruppen zunehmend zum Mittel des Terrors. 1972 richtete ein Palästinenserkommando bei den Olympischen Spielen in München ein Blutbad unter den israelischen Sportlern an.
[*] 1974 schlug auf dem diplomatischen Parkett die große Stunde Arafats. Dem PLO-Chef wurde gestattet, eine Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu halten. Der stets um Theatralik bemühte Arafat trat mit Palästinenserkopftuch und umgeschnallter Pistole vor die UN-Delegierten. In den nächsten Jahren wurde die PLO von zahlreichen Staaten als Vertreterin der Palästinenser anerkannt. Besondere Unterstützung erhielt Arafat von Österreichs Bundeskanzler Bruno Kreisky.
[*] 1982 drangen israelische Truppen in den Libanon ein. Die PLO hatte den kleinen Staat zu ihrem Rückzugsgebiet gemacht und von dort aus immer wieder Angriffe auf Israel gestartet. Auf Befehl des damaligen Verteidigungsministers Ariel Scharon marschierten die Israelis bis Beirut, wo Arafat sein Hauptquartier hatte. Nach längerem diplomatischen Tauziehen erlaubte Jerusalem Arafat und seinen Kämpfern den freien Abzug aus dem Libanon. Der PLO-Chef flüchtet nach Tunesien. Scharon dazu viele Jahre später: "Wir hätten Arafat damals töten sollen."
[*] 1988 ruft die PLO in Tunesien einen unabhängigen Staat Palästina aus.
[*] Auf Initiative der USA einigen sich Israel und die Palästinenser 1993 auf das Oslo-Friedensabkommen, das eine palästinensische Teilautonomie vorsieht. Arafat bekommt dafür den Friedensnobelpreis.
[*] Weitere Friedensgespräche scheitern. Die Palästinenser starten die "Al-Aksa-Intifada". Israels Premier Scharon stellt Arafat unter Hausarrest.