Straßenbau und Tunnel-Lobby - Richtiges Deutsch statt Marillen-Debatte - "Wie schön war doch das Mittelalter für Männer" - Sonderfall Schwerarbeiter

Der Verkehrsminister vermittelt den Eindruck, als glaubte er ernsthaft daran, dass mit dem Ausbau des Schienennetzes irgendwelche Probleme des Güterverkehrs zu lösen wären. Dabei passt nichts mehr zusammen, weder der hochgepriesene Generalverkehrsplan noch die Kostenschätzungen und schon gar nicht die Finanzierung. Bedenkt der Minister nicht, dass schon bescheidene Bestandsverbesserungen oftmals viel größeren Nutzen, gerade auch für den Bahnkunden, bringen würden, während Großinvestitionen sich vor allem kostentreibend auf die Bahn auswirken?

Seine Amtsvorgänger haben zumindest Skepsis am ungebremsten Bahnausbau erkennen lassen: Schmid hat versucht, unfinanzierbare Projekte zurückzustellen, und auch Forstinger verwies auf die drohende Schuldenlawine. Gorbach hingegen setzt sich über diese Fakten - und selbst über seinen Generalverkehrsplan - hinweg: Er gaukelt den Tirolern eine Entlastung vom Straßengüterverkehr vor, indem er trotz drückender Überschuldung den Brenner-Eisenbahnbasistunnel bis 2015 fertig stellen will.

Tatsächlich profitiert davon nur die Bauindustrie, und die in Österreich besonders starke Tunnelbau-Lobby darf jubeln. Vor diesem Hintergrund klingt es wie ein Hohn, wenn der Sprecher der Bauindustrie behauptet: "Der Bau ist ja nicht Selbstzweck. Wenn es einen Bedarf gibt, dann bauen wir". Doch was unter dem Motto Bahnausbau stattfindet, ist Selbstzweck, dem kein realer Bedarf gegenübersteht.

Während dieser Verkehrsminister die Bauindustrie so hemmungslos subventioniert wie noch keiner vor ihm, ist zumindest der Bürger mit Sachverstand bitter enttäuscht. Er weiß, dass wir alle und unsere Kinder die Last unnötiger Schulden tragen müssen.

Dkfm F. Fally

1230 Wien

Richtiges Deutsch statt Marillen-DebatteÖsterreichisches Deutsch, Themen-Seite vom 25. August

Nachdem ich 30 Jahre in Deutschland gelebt habe, glaube ich, für einen Leserbrief zu diesem Artikel prädestiniert zu sein. Ich habe in all den Jahren die österreichische Sprache sehr hoch gehalten. Deswegen entsetzt es mich immer wieder, dass schlicht und einfach falsches Deutsch für "Österreichisch" gehalten wird.

Zwei Beispiele:

1) Wenn etwas eingeschalten oder ausgeschalten wird, ist das nicht österreichisch, sondern falsches Deutsch. Dieser Mist wird nicht nur in Gebrauchsanweisungen verzapft, sondern sogar von Akademikern mit Doktorat verwendet!

2) "Wegen" verlangt den Genitiv. Man scheint es hier auch für "österreichisch" zu halten, den Dativ zu verwenden! Dabei ist das nur eine verschlampte Sprache.

Und spricht man jemanden darauf an, wird man nur dumm angeschaut. Ich frage mich, was wird heute eigentlich in den Schulen gelehrt? Statt sich um lächerliche Worte wie Marillen, Marmelade etc. zu streiten, sollte man den Leuten in der Schule lieber richtiges Deutsch beibringen - was, wie gesagt, nichts mit "Österreichisch" zu tun hat!

Eva Karas
1130 Wien

"Wie schön war doch das Mittelalter für Männer"Schwangerschaftsabbruch war nie eine "Lösung", von DI Andreas Kirchmair, 23. August

Woher stammen bloß die Zahlen? Da müsste doch eigentlich jede Frau für jedes geborene Kind einmal abgetrieben haben. Sind ja lauter Masochistinnen, die eine "schwere seelische und körperliche Verletzung" der Einnahme einer Pille oder sonstiger der vielen Verhütungsmittel vorziehen. Bei zwei Millionen Kindern mehr, wenn schon tausende Jugendliche keine Lehrstelle finden, was dann? Da gibt es nur eine Lösung. Die Mütter sollen gefälligst zu Hause bleiben und nicht ihren Kindern die Arbeitsplätze wegnehmen! Sie müssen halt wissenschaftliche und unternehmerische Karrieren den Kindern opfern, dazu sind sie ja da. Und wenn das Einkommen des Mannes nicht für Frau und fünf Kinder reicht, dann soll sie halt die Kinderkleider selbst schneidern (die werden es ihr sicher danken) und Gemüse anbauen. Pension braucht sie auch keine, denn wenn der Mann mit einer Jüngeren durchgeht, wird schon der Staat für sie sorgen.

Wie schön war doch das Mittelalter für die Männer, keine Konkurrenz! Habe selbst zwei Kinder.

Dr. Ingeborg Friesinger
3424 Zeiselmauer

Sonderfall SchwerarbeiterBei rationaler Betrachtung ist die geplante Regelung für Schwerarbeiter doch nichts anderes als ein Sonderfall der Invaliditätspension. Während bei Nicht-Schwerarbeitern im Invaliditätsfall konkret das Vorliegen einer vorzeitigen Berufsunfähigkeit zu prüfen ist, wird bei Personen, die einen Verlauf der Berufstätigkeit mit einer konkreten Dauer von Schwerarbeitszeiten nachweisen, der vorzeitige Eintritt der Arbeitsunfähigkeit ungeprüft angenommen.

Die Regelungen hinsichtlich der Pensionshöhe, d. h. die vorgesehenen Abschläge, sollten daher für Schwerarbeiter auch die gleichen sein wie jene für Invaliditätspensionisten. Eine darüber hinausgehende Bevorzugung der Schwerarbeiter würde auch vor dem Verfassungsgerichtshof wegen Gleichheitswidrigkeit kaum Bestand haben. Denn eines sollte klar sein: Für die Schwerarbeit an sich schuldet die Allgemeinheit keine zusätzliche Abgeltung in der Pension. Diese kommt ja nicht der Allgemeinheit zu Gute, sondern dem Arbeitgeber und wird von diesem mit dem vereinbarten Lohn abgegolten.

Mag. Christian Kopf
2384 Breitenfurt

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