Die Atmosphäre an der Uni Wien ist nach einem Tortenwurf gegen Rektor Winckler angeheizt.
WIEN (ewi/lug/red.). Rund 300 Studenten versuchten Mittwoch Mittag, die "Uni zu umarmen" und damit symbolisch "Magnifizenz Winckler zu umzingeln". Mit dieser Menschenkette um die Haupt-Uni setzten die Studierenden ihre Proteste gegen den neuen Organisationsplan fort. Viele Teilnehmer waren bereits bei der Besetzung des Senatssaals in der vergangenen Woche dabei. Thomas Trenker, Student der Politikwissenschaften, ist zum ersten Mal bei einer solchen Demonstration. "Ich finde es ganz schlecht, dass die Uni durch Rektor Winckler entdemokratisiert wird", meinte er. Sein Kollege Stefan Auer "hofft" auf den morgigen Freitag: "Vielleicht hebt der Verfassungsgerichtshof die Reform auf." Einig sind sich beide, dass das Werfen mit Torten "kontraproduktiv" sei.
Die Wiener Polizei meinte am Mittwoch, dass es möglich sein wird, jene zwei Personen auszuforschen, die Dienstag Abend Rektor Georg Winckler und Sigurd Höllinger, Uni-Sektionschef im Bildungsministerium, bei einer Diskussionsveranstaltung der SPÖ mit Torten beworfen haben. Es sei Bildmaterial vorhanden, das die Fahnder weiterbringen könnte.
Die Tortenwürfe sorgten für heftige politische Diskussionen. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer sieht darin "eine unglaubliche Eskalation der Gewalt, die jeder demokratischen Spielregel widerspricht". "Nun ist der Zeitpunkt gekommen, dass sich die Oppositionsparteien von derartigen Vorfällen distanzieren und auch ihre Jugend wieder zur Vernunft bringen", forderte sie. Eine Aufforderung, die der grüne Bildungssprecher Kurt Grünewald "höchst skandalös" findet. Denn damit unterstelle Gehrer, die Grünen würden Gewalt gutheißen, dies sei selbstverständlich falsch. SP-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos und SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal verurteilten den Tortenwurf.
Barbara Wittinger (Grüne Studenten) von der ÖH-Bundesvertretung distanzierte sich von der Tortenaktion, während sie sich in die Menschenkette einreihte: "Die Proteste verselbstständigen sich, geraten teilweise außer Kontrolle. Pro Institut gibt es mindestens eine Gruppe, die Aktionen plant." Es sei nicht Verantwortung der ÖH, die Aktionen zu planen. Die Hochschülerschaft würde nur "einige Aktionen wie etwa die Menschenkette unterstützen".
In einer Pressekonferenz an der Wirtschaftsuni stellte Rektor Christoph Badelt fest, dass "wir andere Studierende an unserer Universität haben". Die WU-Studenten seien karrierebewusst, sie schauen auf den künftigen Beruf und eine gediegene Ausbildung. Sie hätten auch Vorbehalte gegen die Einschränkung der Mitbestimmung, die neue WU-Organisation wurde aber gemeinsam beraten.