Tv-Kritik: Brustvergrößerung und Bestechlichkeit

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ie Ankündigung im Fernsehprogramm ist vielversprechend. Mon tagabend "Extra - Das RTL-Magazin". Das Thema: Nach dem Münchner Schmiergeldskandal: wie käuflich sind die Deutschen im Alltag?

Die Sendung beginnt jedoch mit einem anderen Beitrag. Es geht um "Facelifting und Brustvergrößerung im eigenen Wohnzimmer". Blutige Reportage über eine Frau, die sich zu Hause verschönern lässt und am nächsten Tag mit ihrem Pferd ausreitet. "Die Schwellungen sind schon fast weg", sagt sie und verbirgt das halbe Gesicht hinter einem dicken Stirnband.

Endlich der zweite Beitrag: Die Amigo-Affäre von München. "Aber was passiert im Alltag?", fragt die Moderatorin. Es folgt der "Test". Verdeckte RTL-Reporter versuchen Menschen zu korrumpieren. Und blitzen überall ab. Die Sprechstundenhilfe beim Zahnarzt soll für ein paar Scheine einen unangemeldeten Patienten vor lassen. Keine Chance. Ein Kellner soll einen Tisch für acht Personen auftreiben, obwohl das Restaurant ausgebucht ist. 20 Euro Schmiergeld bietet der Reporter. Umsonst. Ein Wohnungsmakler soll bestochen werden. Er nimmt das Geld nicht. Endlich finden die Reporter zwei "Opfer", die so nett sind, ihr Schmiergeld anzunehmen. Es sind zwei Taxifahrer. Für zehn Euro Bestechungsgeld stellen sie Taxi-Rechnungen über 100 Euro aus.

Es gibt sie also doch die Bestechlichkeit im Alltag! Und der Frankfurter Staatsanwalt sagt im Interview, dass die Korruption zunimmt. Und schon ist die Reportage im Kasten. Der Zuseher erfährt vor allem, dass man mit dieser Art von "Test" alles beweisen kann. Schade um die Zeit. In der selben Zeit wär sich vermutlich auch ein Facelifting und eine Brustvergrößerung im eigenen Wohnzimmer ausgegangen.

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