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ndlich. Es wurde wirklich Zeit, dass die Stars dieses Landes einmal im Rampenlicht stehen, die für Politik und Amüsement ebenso wichtig sind wie für allerhöchste zarte Bande und den internationalen Ruf der Österreicher. Zuckersüß verbreiten Sachertorte, Mozartkugel, Zaunerstollen & Co. wohlschmeckendes Glücksgefühl. Die ORF-Dokumentation "Der Mehlspeis-Adel" gab sich trotz der opulenten Kost ganz cholesterin- und kalorienfrei. Kein lästiges Wort in Sachen Gesundheit oder Körperbewusstsein störte die mit amüsanten Details verzierte filmische Entdeckungsreise (und Werbefahrt!), die im Rückwärtsgang in die Ballsäle der Metternich-Zeit, ins kaiserliche Ischl und durch die berühmtesten Konditoreien des Landes führte. Da durfte man - und das ist ja selten genug - ganz ohne schlechtes Gewissen schlemmen, wenn auch nur mit den Augen.
Angeblich wurden rund um den Wiener Kongress 15.000 Krapfen verspeist, der Kaiser ließ sich beim Frühstück von Katharina Schratt mit einem (von der Konditorei Zauner frühmorgens gelieferten) Guglhupf für die Amtsgeschäfte milde stimmen, Franz Lehár beglich seine Konsumationen (ebenfalls beim Zauner) mit einem Lied, und die Demelinerinnen vom Wiener Hofzuckerbäcker tragen seit dem Tod von Kaiserin Elisabeth nur noch schwarz und sprechen die Gäste in der dritten Person an. Da soll einer sagen, nur die Liebe ginge durch den Magen!
Österreich als Land der Tortenheber und Mehlspeisdiplomaten - auch wenn einem das Image der Mozartkugel-Nation auf die Nerven gehen kann, mit einer Portion Humor samt gut recherchierten Hintergründen garniert und in raffinierten Kameraeinstellungen serviert, erwies sich diese Dokumentation als Gustostückerl.