Wo Sich Religion Überall Zeigt: Heiliges und Profanes

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ie EU-Erweiterung macht nun wieder das aus Mitteleuropa, was es früher zu meist war: eine geeinte Region. Und zwar nicht nur politisch und wirtschaftlich. Künstler sind dieser Entwicklung - wie immer - schon weit voraus, wie derzeit im Wiener Dom- und Diözesanmuseum (1., Stephansplatz 6) zu erfahren ist. Dort wird das Ergebnis eines Kunstprojektes gezeigt, in dessen Zentrum Johannes von Nepomuk steht. 1999 versammelten sich 35 Künstler aus der Region im ehemaligen tschechischen Zisterzienserkloster Plasy und reflektierten auf die historischen Darstellungen des "Heiligen von Mitteleuropa", der seit dem frühen 18. Jahrhundert Tausende Brücken im Umkreis von 500 Kilometer ziert.

Nepomuk ist nur ein Exponent für die Tatsache, dass das Christentum in früheren Zeiten eine einigende Wirkung auf Europa entfaltete. Heute ist das nicht mehr so einfach, wie etwa der fruchtlose Streit über Gott in der EU-Verfassung zeigt. Eine umfassende Darstellung des Spannungsfeldes Religion-Gesellschaft zeigt heute ab 20.40 Uhr der Kultur-Fernsehsender Arte - unter anderem mit einer Dokumentation über das erstaunliche Phänomen der Taizé-Gemeinschaften, die Hunderttausende Jugendliche in ihren Bann zu ziehen verstehen.

Wie stark früher auch alles Profane von der christlichen Spiritualität durchdrungen war, kann man um 19.30 auf Ö1 erleben - bei einer Sendung zum 350. Todestag des Hamburger Barock-Komponisten Samuel Scheidt. Wer's verpasst, kann sich das spirituelle Erlebnis auch auf CD einkaufen, nämlich in Jordi Savalls Aufnahme der "Ludi Musici".

Einen Einblick in die - mittlerweile recht brüchige - Verankerung des Katholizismus in der ländlichen Bevölkerung bietet ein Krimi der Steirerin Isabella Trummer (Steirische Verlagsanstalt). Der Dorfpfarrer spielt zwar in "Unter der Oberfläche" nur eine Nebenrolle, doch die Rücksichtnahme auf ihn - und die Angst vor der Schande - sind wesentliche Triebkräfte, durch die ein unglaublicher Skandal unter die Decke gekehrt wird. Spannend!

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