Eine Beziehung In Ton Und Schrift: Mensch und Natur

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rste Reihe fußfrei können wir Österrei cher derzeit einen grundlegenden Dis kurs miterleben: Beim Ringen um das Bundestierschutzgesetz steht der Streit um das Schächten im Vordergrund (also das rituelle jüdische und islamische Töten von Schlachttieren durch Ausbluten bei Bewusstsein) - und dahinter tobt ein Kampf um das "richtige" Weltbild, und die "richtige" Beziehung zwischen Mensch und Tier. Eine reiche Fundgrube an Argumenten und Geschichten zum Thema bietet Bernhard Kathans "Zum Fressen gern" (Kulturverlag Kadmos). Zur aktuellen Debatte sei nur auf eine Passage hingewiesen: Schächten wurde in deutschen Landen schon einmal verboten - 1933 im Reichstierschutzgesetz.

Einen breiteren Blick auf das Verhältnis Mensch-Natur wagt diese Woche das Ö1-Radiokolleg (9.05 Uhr). Unter dem Titel "Paradise lost" wird der Sieg der Zivilisation über die Natur und der Weg zurück zum "verherrlichenden" Naturschutz thematisiert. Für all jene arbeitenden Menschen, denen erbauliche Hörgenüsse während der Dienstzeit versagt bleiben, wird die Sendung um 22.15 Uhr wiederholt. Was sich blöderweise zeitlich mit einem anderen Highlight des Tages beißt: dem Auftritt von Harry Sokal und Wolfgang Puschnig um 20 Uhr im Porgy & Bess (1., Riemergasse 11). Der Tenorsaxofonist Sokal und der Altist Puschnig begegnen sich seit bald 30 Jahren regelmäßig in verschiedenen Gruppen, das jetzige gemeinsame Programm "Voices of Time" darf als Frucht dieses Aufeinanderzuspielens gelten.

Einen musikalischen Trost für Versäumtes kann das Münchner ECM-Label bieten. In der Serie :rarum haben ausgewählte Musiker selbst Querschnitte durch ihr Lebenswerk zusammengestellt. Ein Gustostückerl darunter: Die Musik des polnischen Trompeters Tomasz Stanko. Lange Zeit abgetrennt vom Jazz-Mainstream hat er eine einzigartige Symbiose aus künstlerischem Feinsinn und brachialer Naturgewalt entwickelt. Und als Draufgabe ist eben die brandneue CD Stankos erschienen: "Suspended Night". Ein Meisterwerk.

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