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m 19. Jahrhundert erlebte die europäische Welt eine drastische Transformation: Die Industrialisierung setzte der traditionell-bäuerlichen Welt arg zu und führte zum weitgehenden Verschwinden einer Jahrtausende alten Kultur. Die aufstrebende Wissenschaft nahm sich dieses Phänomens bald an - die Ethnographie wollte dabei besonders tief schürfen und verfiel auf die Suche nach der "primitiven Kulturstufe", die die Frühgeschichte der Menschheit repräsentiere. In diese frühe Forschungsphase führt derzeit eine Schau im Wiener Volkskundemuseum (8., Laudongasse 15). Anhand der Sammlung von Eugenie Goldstein - besonders faszinierend die stilisierten Spielzeugkühe - wird gezeigt, welche Irr- und Umwege die Wissenschaft gegangen ist.
Tief hinunter - nämlich im zweifachen Sinn: historisch und räumlich - führte im 18. Jahrhundert der Druckgrafiker und Architekt Giovanni Battista Piranesi, der sogenannte "Wiederentdecker der Antike". Das Erzbischöfliche Dom- und Diözesanmuseum (1., Stephansplatz 6) zeigt derzeit eine Auswahl aus seinen römischen Veduten und Kelleransichten. Sehenswert!
Sehr tief eindringen in eine Materie kann man heute auch um 18.30 Uhr, und zwar in den Wiener Narrenturm (9., Spitalgasse 2). Thomas Kratschmer und Alfred Stohl diskutieren über die Bau-Idee jenes Turms, den Kaiser Josef II. 1784 als Irrenhaus errichten ließ. Die Sammlungen des Pathologisch-anatomischen Bundesmuseums spielen übrigens eine Hauptrolle in dem faszinierenden Roman "Dufays Requiem" von Wolfgang Schlüter (Eichborn).
Und tief hinein in die fremde Gedankenwelt des Buddhismus führt "Der Jadereiter" des britischen Autors John Burdett (Piper). Die Hauptperson, der Bangkoker Polizist und praktizierende Buddhist Sonchai, löst darin allerlei Schwierigkeiten um einen Mordfall und zeigt wunderbar die völlig konträren Weltbilder des Fernen Ostens und des US-amerikanisch geprägten Westens auf - zumindest soweit man das von außerhalb der buddhistischen Gedankenwelt aus beurteilen kann.