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akob geht seit ein paar Wochen zur Schule. Aber so richtig taugen tut's ihm noch nicht. "Beim Lesen muss ich immer auf meinem Platz bleiben", erzählt mein Neffe. Und die Lehrerin soll es gar nicht mögen, wenn er im Klassenzimmer herum turnt oder einen Schulkameraden in den Schwitzkasten nimmt. Aber zum Glück kann er am Wochenende lesen und turnen gleichzeitig. Bei der Weinlese nämlich. Und das mit dem Alphabet, das wird Jakob mit der Zeit auch Spaß machen.
Rhetorischen Schwitzkasten gibt es heute Abend übrigens im Depot in der Breitegasse 3 in Wien Neubau. Dort wird das jüdische Magazin NU präsentiert. Die beiden Nu-Chefs Peter Menasse und Erwin Javor werden spontan eine besondere Form des Zwiegesprächs pflegen: das Dajgezzen und Chochmezzen. (chochzumezzen: Alles so zu verkomplizieren, dass niemand - einschließlich einem selbst - sich mehr auskennt, dajgezzen: sich auf hohem Niveau Sorgen machen). Nu-Autor und "Presse"-Redakteur Rainer Nowak soll neben anderen auch lesen. Seinen Kommentar über das Fehlen der koscheren Küche in Wien.
Lesen auf hohem Niveau: Das gibts morgen, Freitag, auch im Bühnenwirtshaus Juster in Gutenbrunn. Seit zehn Jahren serviert Dieter Juster Kulinarisches und Kulturelles. Diesmal liest Willi Resetarits aus H. C. Artmanns "Im Schatten einer Burenwurst & Mit ana schwoazn Tintn". Auch köstlich.
Kurz vor der Weinlese greif ich gerne und etwas melancholisch auf Erlesenes der vergangenen Jahre zurück. Etwa auf den Gelben Muskateller 2002 von Hannes Dachauer aus Tattendorf in der Thermenregion. Oder auf den Sauvignon Blanc 2002 von Herbert Studeny aus Obermarkersdorf im Weinviertel. Oder aber auf den Sauvignon Blanc 2003 von Weingut Eory in Pößnitz bei Leutschach in der Südsteiermark.
Bleibt nur noch die Sache mit dem Schwitzkasten. "Was nützt es beim Schwitzkasten, wenn man weiß, wie man ihn schreibt", hat Jakob gefragt. Ich hab gemeint, diese Frage kann er ruhig einmal seiner Lehrerin stellen . . .