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eden wir einmal von etwas ganz Alltägli chem. Nein, nicht vom Wetter. Auch nicht vom Essen oder anderen Schweinereien. Ganz einfach, vom Geld. Daran will man im August zwischen Last-Minute-Flug und Ausverkaufs-Schlusswehen vielleicht nicht gerne denken. Und in der Wiener Innenstadt hat man im Touristen-Getümmel zur Zeit eher damit zu tun, seine Börse festzuhalten, als sie zu öffnen. Spenden auf der Straße ist ein schwieriges Thema, wenn sich die Gerüchte von organisierten Bettler-Ringen einmal festgesetzt haben. Zwei Verhaltensmuster sind etwa im Jonas-Reindl zu beobachten: pikiert wegschauen oder reuig nach Kleingeld kramen. Seit einigen Monaten, nach zwei abgejagten Pizza-Schnitten und einem abgeschnorrten Hamburger gehöre ich zu letzterer Gattung. Und entschwebe danach - für einige Minuten wenigstens - als Gutmensch mit der Straßenbahn.
Neben Fast Food und Münzen könnten Sie aber auch ein wenig Theater spenden. Die beste Gelegenheit dafür bietet das Wiener Schauspielhaus mit der Aktion "Hunger auf Kunst & Kultur". An der Abendkassa wird Geld für Eintrittskarten für Bedürftige gesammelt. Gratis-Tickets können mit dem von karitativen Organisationen vergebenen "Kulturpass" abgeholt werden. (www.schauspielhaus.at)
Hermes Phettberg unterhält (sich) da lieber selber - um relativ wenig Geld (14 Euro) können Sie ihm bei seinen Sommergesprächen im WUK (Währinger Str. 59, Wien 9) lauschen - zu Gast sind heute, 20 Uhr, "Traumtänzer": die Opernball-Lady a. D. Lotte Tobisch, Excalibur-City-Gründer Ronald Seunig, Performerin Miki Malör und Regisseur Gregor Seeberg.
Mit einem echten Engel auf Erden geht der Tag zu Ende: In "Kreuz & Quer" (23.05, ORF2) wird Caritas-Kroatien-Präsidentin Jelena Brajsa porträtiert. Als Putzfrau war sie Ende der 50er Jahre nach Wien gekommen, Kardinal König verhalf ihr zu Studienplatz und Stipendium. Heute gilt sie als "Engel von Zagreb". Wer wagt da noch um verschenkte Pizza-Schnitten zu trauern? Eher schämt man sich.