Zum Schauen Und Lesen: Heilige Traditionen

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estorben ist er nicht daran. Von den Wunden der Pfeile, mit denen der römi sche Offizier Sebastian durchbohrt worden war, ist er dank hingebungsvoller Pflege einer Witwe genesen; erst Keulen und Peitschen machten ihm den Garaus. Doch in der christlichen Kunst spielten ausschließlich die Pfeile eine Rolle. Eine moderne Reflexion dieser jahrtausendealten Tradition gibt es derzeit in der Kunsthalle Wien zu sehen. Darin wird auf allerlei Rollen, die der Heilige Sebastian zu spielen genötigt wurde, angespielt. Etwa als Pestheiliger, als Patron der Soldaten, der Homosexuellen - und auch als zeitgenössische sadomasochistische Ikone.

Doch völlig umfassend ist die Schau doch nicht. Denn auch mit dem Wein hat Sebastian etwas zu tun: Wie man Helga Maria Wolfs umfassenden Heiligenkalender "Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis" (NÖ Pressejaus) entnehmen kann, wird im steirischen Weng (bei Admont) eine Silberkette mit daranhängendem Sebastianipfeil in Weinflaschen getaucht - schon seit 1688 verspricht man sich von dem Getränk Heilkraft.

Wohltuend für Leib und Seele waren jahrhundertelang auch Reliquien. Und einige der schönsten Behältnisse für Knochen et cetera gibt es noch bis Montag in der Wiener Schatzkammer (neben der Hofburgkapelle) zu bestaunen. Angefertigt wurden die weltmeisterlichen Stücke vom barocken Goldschmiedemeister Joseph Moser - der als richtiger Wiener natürlich in Brünn geboren ist. Ungemein beeindruckend sind auch seine verspielt-funkelnden Kelche, Monstranzen und ebenso seine imposanten Kerzenleuchter.

Religiöse Kunst, etwas mehr auf der volkstümlichen Seite, zeigt auch das Volkskundemuseum (8., Laudongasse 15-19). Neben zeitgenössischen Weihnachtskrippen des steirischen Meisters Ulf Mayer besticht vor allem ein Exponat: die gigantische Jaufenthaler Krippe. Sie ist noch bis 1. Februar zu bestaunen und wird dann - so sei es hier beklagt - wieder für eine paar Jahre im Depot verschwinden.

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