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agegen nimmt sich die derzeitige Dis kussion über Sonntagsarbeit niedlich aus: Vor ein paar Jahrhunderten wurden Frauen, die zankten, rauften oder gegen Arbeitsverbote an Sonntagen verstießen mit dem "Bagstein" bestraft: Sie mussten mit einem Pflasterstein um den Hals am Pranger stehen oder ihn ein Stückchen weit tragen. Zu sehen ist so ein Exemplar etwa im Stadtmuseum Zwettl. Ein Highlight dieses sehenswerten Museums ist eine Dokumentation des verqueren Lebens und der abstrusen Gedankenwelt des Nazi-Vorläufers Georg Ritter von Schönerer, der im Schloss Rosenau nahe Zwettl lebte.
In diesem Baujuwel lockt eine Sonderausstellung des Freimaurermuseums, die sich mit dem "Leben mit Symbolen" beschäftigt. Also damit, wie sich die alte Symbolsprache - vom Winkel bis zum Zirkel - im Lebensumfeld der Freimaurer manifestierte. Noch ein paar Kilometer weiter, im Schloss Weitra, wird eines dunklen Kapitels der europäischen Geschichte gedacht: In der Ausstellung "Schauplatz Eiserner Vorhang" werden unter anderem abenteuerliche Fluchtgeräte gezeigt. Oder Erinnerungen von Grenzbauern. Bemerkenswert, weil nicht selbstverständlich, ist die Dreisprachigkeit der Schau: deutsch, englisch, tschechisch.
Wer's nicht so gut hat, heute auf Landpartie zu sein, der sollte ins Völkerkunde-Museum gehen. Nicht nur des traumhaft schattigen Gastgartens (bei Automaten-Kaffee) wegen - sondern wegen der Sonderausstellung "15 plus 10: Europäische Identitäten". Jedes Beitrittsland hat ein Objekt entsandt, das als typisch gilt: Für Polen etwa steht eine riesige Weihnachtskrippe, Slowenien fühlt sich am besten durch die Heuraufen repräsentiert. Spannend!
Wem's aber zu heiß ist, hinauszugehen, dem bietet das Ö1 eine echte Alternative - auch zum Olympia-Overkill: Die "Dimensionen" beschäftigen sich um 19.05 Uhr mit der Physiologie des Riechens. Oder man zieht sich mit Jörg Mauthes Meisterwerk "Die große Hitze" zurück und erlebt, wie die Welt verösterreichert wird - neu aufgelegt in der Edition Atelier.