W
ien verbirgt so manchen kulturhisto risch-magischen Schatz, der in der Öf fentlichkeit kaum wahrgenommen wird. So zum Beispiel die unglaublichen Relikte der seinerzeit weltberühmten Kunst- und Wunderkammer von Kaiser Rudolf II. (um 1600). Das Kunsthistorische Museum macht es einem derzeit auch nicht leicht, die Kunstkammer ist ja voraussichtlich bis Ende 2004 geschlossen. So manches "Highlight" ist aber in der Gemäldegalerie zu finden: Etwa ein gold- und emailverzierter Bezoar-Becher - also ein ausgehöhlter Magenstein einer asiatischen Bezoar-Ziege oder eines Lamas. Rudolf hat in späteren Jahren nur mehr aus diesem Behältnis getrunken, weil das Material Gifte unschädlich zu machen versprach.
Diese und viele anderen Geschichten, die sich hinter den Prager Renaissance-Stücken verbergen, erzählen Anna Ehrlich und Bernadette Mayr in ihrem Buch "Szepter und Rose" (Langen Müller): Geschildert wird die 13 Jahre andauernde Liebesbeziehung zwischen dem Kaiser und Katharina Strada, der zumindest zwei Kinder entsprangen. Historisch nicht immer ganz sauber, aber ziemlich magisch - und ungemein romantisch!
Viel stärker als Rudolf II. auf dem Boden des Katholizismus steht ein neues Meisterwerk von Jordi Savall - der übrigens heute um 19.30 Uhr Gast im Wiener Musikverein ist: Zwar war das Mysterienspiel zu Mariä Himmelfahrt, das seit dem Mittelalter alljährlich im spanischen Elche abgeführt wird, vom heiligen Stuhl bis ins 17. Jahrhundert nicht genehmigt, doch es sprüht, auch als CD-Konserve "Homenatge al Misteri D'Elx", nur so vor christlicher Mystik.
Eine Rückbesinnung auf das Religiöse ist derzeit auch in der Pop-Musik zu bemerken. Bestes Beispiel ist Hitparadenstürmer Youssou N'Dour, der nun die CD "Egypt" veröffentlicht hat, auf der er die islamische Sufi-Tradition des Senegal besingt. Gepriesen sei, so schreibt er am Cover, die "Toleranz meiner Religion", die derzeit von Anhängern wie Kommentatoren missverstanden und missinterpretiert werde.