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eute, in Zeiten der galoppierenden Glo balisierung, ist es kaum mehr vorstell bar, wie abgeschieden Wien einst von der Welt war. Und welche Sensation die Weltausstellung des Jahres 1873 war - als erstmals die ganze Welt zu Besuch nach Wien kam und der Donaumetropole "den endgültigen Übergang zur Weltstadt" brachte, wie es der Nationalökonom August Oncken formulierte. Einen Eindruck dieses Einbruchs des Fremden in die Heimat bietet derzeit das Technische Museum Wien (14., Mariahilfer Straße 212) mit der Sonderausstellung "Welt Ausstellen". Herzstück der kleinen, aber feinen Schau ist eine Auswahl aus jenen 2000 Fotos, mit denen die Wiener Photographen-Association das Ereignis inmitten des Praterwaldes dokumentierte. Heute wie damals faszinieren die technischen Meisterleistungen - und vor allem die Pavillons der "Exoten" aus Japan, Ägypten oder Tunesien.
Bestes Beispiel und ein Symbol dafür, dass Menschen anderer Nationen heute selbstverständlich in Wien eine neue Heimat finden, ist die Wiener Tschuschenkapelle. Die Mannen um den rührigen, mitreißenden, charismatischen Sänger Slavko Ninic feiern heute um 20 Uhr im Porgy & Bess (1., Riemergasse 11) ihr - man höre und staune - 15-Jahres-Jubiläum. Und wie es sich gehört tun sie das mit einem kräftigen Mulatság, und zwar auch in der Originalbesetzung, in der die Band vor eineinhalb Jahrzehnten die Wiener Musikszene aufmischte und nachhaltig prägte.
Wie wandelbar, aber gleichzeitig auch stabil so manche Strukturen in unserer Heimat sind, zeigt wunderbar das Buch "Nicht alle Wege führen nach Rom" des Wiener Neustädter Hobby-Frühgeschichtlers Leopold Scheibenreif. Manche Trassen, so erfährt der staunende Leser, sind seit 2000 Jahren praktisch unverändert in Gebrauch (etwa die B16 von Wr. Neustadt nach Sopron). Andere Wege, die früher lange Zeit Kontinuität genossen, sind aber vom modernen Straßenbau vergessen worden. Scheibenreif bietet aber zum Wiederfinden beim Spazieren gute Handreichung.