Der Wechsel des 49-jährigen Herbert Demel von Magna Steyr zu Fiat sorgt für Riesenwirbel. Frank Stronach soll persönlich um eine "konstruktive Lösung" verhandeln.
WIEN/TURIN. Es handelt sich um einen der spektakulärsten Transfers der jüngsten Zeit. Der Wechsel von Magna-Steyr-Chef Herbert Demel zu Fiat ist seit Mittwoch fix. Fiat hat den Übertritt offiziell bestätigt. Demel übernimmt den Posten von Giancarlo Boschetti als Vorstandchef der Fiat-Autosparte.
Wie die "Presse" am Mittwoch aus Magna-Kreisen erfahren hat, hatten sich Magna-Boss Frank Stronach und Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf persönlich in die Verhandlungen mit Fiat eingeschaltet, um "eine konstruktive Lösung" zu erzielen.
Immerhin hatte Herbert Demel, der vor knapp einem Jahr von VW zu Magna Steyr wechselte, einen gültigen Vertrag. Hinter den Kulissen hieß es am Mittwoch: Magna stellte Bedingungen dafür, dass man Demel zu Fiat ziehen ließ. Derzeit hat Magna keine nennenswerten Verträge mit dem italienischen Weltkonzern.
Fiat machte im Vorjahr einen Umsatz von 55,4 Mrd. Euro. Der Konzern beschäftigt knapp 186.000 Mitarbeiter. Im Vergleich: Magna Steyr hat 10.000 Mitarbeiter. Freilich: Fiat steckt in der schwersten Krise seit Bestehen des Konzerns. 1,34 Mrd. Euro Verlust schrieb die Autosparte im vergangenen Jahr. Dem italienischen Weltkonzern steht ein rigoroser Sparkurs bevor. Bis 2006 sollen 12.300 Stellen gestrichen werden. Knapp ein Dutzend Standorte werden geschlossen.
Herbert Demel wurde 1953 in Wien geboren. Er studierte Maschinenbau an der TU Wien. Seine Managerkarriere begann 1984 bei Bosch in Stuttgart. 1990 wechselte Demel zu Audi, wo er zum Vorstandschef aufstieg. Sieben Jahre später avancierte er zum Chef von VW-Brasilien.
Schon damals galt Herbert Demel als Nachfolgekandidat für Ferdinand Piëch. Doch statt Demel wurde Bernd Pischetsrieder Konzernchef in Wolfsburg. Vor knapp zwölf Monaten gelang es Magna, Demel nach Oberwaltersdorf zu holen.