Arnie-Sieg: "Ist das nicht unglaublich?"

Ambivalente Reaktionen in Kalifornien auf die Wahl Schwarzeneggers zum Gouverneur.

LOS ANGELES. Morgens um zehn Uhr ist in Venice, einem Vorort von Los Angeles, noch nicht viel los. Nur bei "Muscle Beach", einem Freiluft-Fitnessklub direkt am Strand, stemmt ein einsamer Bodybuilder Gewichte. Der 38jährige Greg schwitzt und stöhnt und ächzt. An diesem Ort hat Schwarzenegger vor Jahrzehnten seinen Körper in ein Muskelpaket verwandelt - jetzt ist er Gouverneur.

Ob das nicht seltsam sei? "Man wird nicht Bodybuilding-Weltmeister, wenn man nicht hart dafür arbeitet", sagt Greg. "Man muss sehr konsequent und ehrgeizig sein, und das ist Arnold." Der Erfolg färbt ab: Greg legt ein paar Gewichte nach.

Kalifornien am Tag danach: Auf den Titelseiten der Tageszeitungen dominieren Schwarzenegger-Fotos, in den morgendlichen TV-Shows wird nur über den Ausgang der Wahl diskutiert, CNN bringt Live-Schaltungen nach Graz und ein Interview mit einer "elder woman". Dass es sich dabei um die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic handelt, teilt man den US-Zusehern nicht mit.

Immer wieder hört man: "Ist das nicht unglaublich?" Bei manchen klingt das positiv, bei anderen nicht. Gerade in Venice hat man wenig Freude mit einem republikanischen Gouverneur: "Ich sehe ihn als Terminator auf der Leinwand, nicht als Gouverneur in Sacramento", sagt Chris.

Er verkauft an einem Stand selbst gemalte Sonnenuntergänge. Dass der Schauspieler den Staat führen kann, glaubt er nicht. "Die Demokraten sollten schon den nächsten Recall vorbereiten." Die adrette Kellnerin im Cafe "Globe" dagegen ist begeistert. "Kalifornien ist einzigartig, wir sind anders als alle anderen Bundesstaaten. Bei uns wird jetzt neue Politik gemacht." Sie könne den Aufschwung regelrecht spüren, den die Wahl Schwarzeneggers bringt. Der "governor-elect", Schwarzeneggers derzeitiger Titel, trifft vor allem auf Skepsis. Als er zu einer Pressekonferenz erscheint, wird er schweigend empfangen, nur zwei, drei Helfer applaudieren. "Nicht zu sehr ausflippen mit dem Applaus", scherzt er.

Die nächste halbe Stunde wird er mit Fragen nach einem Programm, nach neuen Steuern und Einsparungen, bombardiert. Konkrete Antworten erhält man nur auf weiche Fragen: Was er an diesem Tag gemacht habe? "Meine Tochter (Katherine, 13) hat mir Kaffee ans Bett gebracht und mich mit den Worten aufgeweckt: ,Herr Gouverneur, ihr Kaffee ist fertig.'" Ob er in die Hauptstadt Sacramento ziehen werde? Das sei noch offen. Mitarbeiter glauben, dass er zwischen Los Angeles und dem Regierungssitz mit seinem Privatflugzeug pendeln wird. Schließlich möchte er bei seiner Familie sein. Gratulanten haben angerufen: George W. Bush, Nelson Mandela und Dutzende Senatoren und Abgeordnete. Mit US-Präsident Bush will sich Schwarzenegger möglichst bald treffen, um Bundesmittel für Kalifornien zu besprechen.

Ein Termin für die Angelobung steht noch nicht fest. Schwarzenegger stellt derzeit sein Übergangsteam zusammen, geführt vom Republikaner David Dreier.

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