Arnold Schwarzenegger bewirbt sich als erster Österreicher um den Posten eines Gouverneurs in den USA. Seine Gegner stöberten sofort in seiner österreichischen Vergangenheit.
washington / Los angeles. Lang hat es nicht gedauert, um eine Schmutz-Kampagne zu starten. Die NBC-Late-Night-Show lief noch, da schrieb schon ein Diskutant auf der US-Internet-Seite "Democratic underground", man müsse sich die Vergangenheit von Arnold Schwarzenegger einmal genauer ansehen: Dessen Vater sei nämlich ein hochrangiger Nazi gewesen. Und eine solche Ideologie färbe doch wohl auch auf den Sohn ab.
Lustig wird es für den steirischen Superstar nicht werden, wenn er jetzt dem Film den Rücken kehrt und in die ungewohnte Rolle eines Politikers schlüpft. Dabei hätte die erste Szene im vielleicht künftigen Lebensabschnitt als Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien lustig, unkonventionell, aber vor allem mediengerecht sein sollen.
In der Talkshow von Jay Leno verkündete Schwarzenegger am Mittwochabend (Ortszeit) einem Millionenpublikum die "schwierigste Entscheidung meines Lebens, abgesehen von der Entscheidung im Jahr 1978, eine Wachs-Enthaarung zu machen". Er werde am 7. Oktober für das Amt des Gouverneurs kandidieren, offiziell zwar für die Republikaner, aber eigentlich als "Kalifornier für Kalifornien" , weil dieser Bundesstaat ein so wunderbares Land sei, das aber von den Politikern heruntergewirtschaftet worden sei. Die Botschaft des "Terminators" an seine Berufskollegen, garniert mit einem Satz aus dem Science-Fiction-Film: "Macht euren Job und macht ihn gut, oder ihr seid draußen und es heißt hasta la vista, baby."
In der TV-Show bemühte sich der einstige Bodybuilder, der seit 1983 US-Staatsbürger ist, auch redlich, staatsmännisch seine Sorge um das Land zum Ausdruck zu bringen. Das einst so blühende Land liege darnieder, das Defizit sei eines der höchsten in den Staaten, die Wirtschaftsdaten erschreckend und das Bildungssystem katastrophal. Kalifornische Politiker würden die Menschen betrügen, und der, der die Menschen am meisten betrüge, sei Gray Davis, der amtierende Gouverneur, der nun abberufen werden müsse. "Daher will ich nach Sacramento (Sitz der Regierung) gehen." Zum Hausputz, fügte er hinzu. Bei einer Pressekonferenz im Anschluss an die Show bezeichnete sich Schwarzenegger als für den Job geeignet. "Ich bin intelligent, ich habe Energie und ich habe das Know-how".
Ob er auch die Ausdauer hat, wird sich erst zeigen. Bereits bei der Wahl im Jahr 2000 hatte Schwarzenegger Ambitionen. Doch plötzlich tauchten in Zeitungen Berichte auf, wonach der Schauspieler Kolleginnen sexuell belästigt habe. Der Nazi-Hinweis lässt bereits erahnen, was diesmal kommen wird. "Sie werden alles gegen mich in die Schlacht werfen", sagte der Kandidat bei der TV-Show. "Sie werden sagen, dass ich keine Ahnung habe, dass ich ein "womanizer" (Frauenheld) bin und ein schrecklicher Mensch."
Die positive Entscheidung des 56-Jährigen kam überraschend, hatten doch Mitarbeiter Ende vergangener Woche bereits verlautbart, er werde nicht kandidieren. Offenbar hat seine Ehefrau schließlich doch grünes Licht gegeben: Maria Shriver kommt aus der Kennedy-Familie und hat damit von Geburt aus politisches Blut in den Adern, wenn auch demokratisches. "Diesmal wird es das erste Mal sein, dass sie für einen Republikaner stimmt", meinte Schwarzenegger in der Jay Leno Show. Seine Frau stehe zu 100 Prozent hinter ihm, sonst wäre er nicht angetreten.
Mit seiner Bekanntgabe setzt der Filmstar Freund und Feind unter Druck. Der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Richard Riordan, hatte auf Hilfe des bekannten Gesinnungsgenossen bei einer Kandidatur gehofft. Die Demokraten dagegen wissen, dass ihre Stunde und die ihres Gouverneurs, Gray Davis, geschlagen hat. Bisher hat man noch auf das Geschick und den politischen Instinkt von Davis gesetzt. Doch diese Eigenschaften dürften gegen einen so prominenten Herausforderer wenig nützen. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an einen anderen wach, der ebenfalls die Bühne wechselte: Ronald Reagan war für zwei Perioden Gouverneur, bevor er US-Präsident wurde. Zumindest Letzteres bleibt Schwarzenegger verwehrt: US-Präsident kann laut Verfassung nur werden, wer in den USA geboren ist. Den Demokraten fehlen allerdings die Alternativen zu Davis. Senatorin Dianne Feinstein, die viele gern als Partei-Alternative gesehen hätten, lehnte eine Kandidatur dezidiert ab.
Ob die Situation dem Ex-Steirer in den USA hilft? Jay Leno meinte in seiner Show jedenfalls: "Kalifornien macht sich derart lächerlich, jetzt lacht sogar schon Florida über uns." Wegen des Auszählungsdesasters bei der Präsidentenwahl 2000 hatte nämlich die ganze Nation über Florida gelacht.
Jedenfalls wird Schwarzenegger von Beobachtern gutes Timing zugestanden: Die "Promotion" für seinen jüngsten Film - und Promotion ist alles, sagte er - hatte ihm in den letzten Wochen viel Aufmerksamkeit gebracht. Und er gab seine Kandidatur just an jenem Tag bekannt, an dem ein anderes Sport-Idol in den USA, der Basketball-Spieler Kobe Bryant, nach dem Vorwurf der Vergewaltigung alle negativen Emotionen bündelte. Dabei braucht Amerika doch seine "Helden".