Die USA verfällt in Arnold-Schwarzenegger-Hysterie. Bei 192 Gegenkandidaten könnte er mit ein paar Prozent der Stimmen Gouverneur werden.
washington. Seit Arnold Schwarzenegger seine Kandidatur zum Gouverneur von Kalifornien bekannt gegeben hat, herrscht in den USA eine regelrechte Arnie-Mania. Die beiden größten Wochenmagazine "Time" und "Newsweek" widmen dem Schauspieler in ihren US-Ausgaben die aktuellen Titelgeschichte; jede politische Fernsehdiskussion beschäftigt sich mit dem 57-Jährigen. Wenn Arnie einen Spielplatz eröffnet, dann überträgt CNN das live.
Selbst US-Präsident George W. Bush kam nicht aus. Auf hartnäckige Journalistenfragen stellte er auf seiner Ranch in Texas fest, dass Arnold Schwarzenegger wohl einen "guten Gouverneur" abgeben würde. "Er ist ein miserabler Schauspieler, und von Politik hat er nicht die geringste Ahnung", meint dagegen ein Nachbar im Osten der USA.
Insgesamt werden 193 Personen im Oktober auf dem Stimmzettel für die Abwahl-Entscheidung über den amtierenden Gouverneur Gray Davis aufscheinen. Bei dieser enormen Auswahl scheint Schwarzenegger die Wahl schon sicher in der Tasche zu haben - immer vorausgesetzt, der amtierende Gouverneur Davis wird am 7. Oktober tatsächlich abgewählt. Denn um zu gewinnen, genügt eine einfache Mehrheit.
Kein Kandidat muss also auf mehr als 50 Prozent der Stimmen der 21 Millionen Wahlberechtigten kommen. Er gewinnt, wenn er nur eine Stimme mehr als ein anderer Bewerber hat. Theoretisch könnten also ein paar hunderttausend Menschen Schwarzenegger in seine neue Rolle hieven.
Der Schauspieler hat als einziger Bewerber auch das nötige Kleingeld, um den Kaliforniern seine Vorzüge flächendeckend auf Plakaten und im TV nahezubringen. Beachtliche 31,1 Millionen Dollar hat er im Jahr 2000 verdient, 2001 waren es immerhin noch 26,1 Millionen Dollar.
Das Büro des Filmstars betont vor allem, dass Schwarzenegger jährlich mehr als zehn Millionen Dollar Steuern bezahlt und im Jahr 2001 4,1 Millionen Dollar gespendet hat - darunter ein zwei-Millionen-Dollar-Grundstück an die katholische Kirche. Etwas hat Schwarzenegger jedenfalls schon jetzt gewonnen: Die Verkäufe seiner Filme auf Video und DVD sind seit Bekanntgabe der Kandidatur um zehn Prozent gestiegen.
Die Meinungen der Menschen über den Schritt des fünffachen Mr. Universe gehen weit auseinander und hängen offenbar auch vom Bildungsgrad ab. Der demokratische Banker, der Nachbar also, mag ablehnend reagieren, der Verkäufer in der Lebensmittelkette "Safeway" dagegen ist begeistert: "Endlich jemand, der nicht herum tut, sondern klare Entscheidungen trifft." Zwar kennt er diese Eigenschaft Arnies nur aus Filmen, doch scheint auch er kaum zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden.
Laut einer Umfrage von CNN und der Zeitung "USA Today" überlegen 42 Prozent der Wahlberechtigten in Kalifornien, Schwarzenegger zu wählen. 25 Prozent wollen "ganz sicher" für ihn stimmen. Und 52 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass der Schauspieler das Land besser regieren würde als jeder Berufspolitiker.
Wie er regieren würde, ist jedoch völlig offen. Seine politischen Konzepte hat Arnie noch nicht vorgestellt. Um eine Orientierung zu haben, hat die Zeitung "San Francisco Chronicle" ältere Zitate zu verschiedenen Themen zusammengestellt. Zur Homosexualität wird Schwarzenegger etwa so zitiert: "Wenn es um Sex geht, ist es mir s. . .egal, was jemand so macht."
Dem gebürtigen Österreicher scheint es mit seiner Kandidatur jedenfalls sehr ernst zu sein. Für seinen Wahlkampf hat er nämlich jenes Team verpflichtet, das 1996 erfolgreich die Wiederwahl-Kampagne des russischen Präsidenten Boris Jelzin organisiert hat. Damals hat kaum jemand Jelzin eine Chance gegeben, bis George Gorton, Richard Dresner und Joe Shumate die Kampagne in die Hand nahmen.
Eine erste positive Nachricht über den Schauspieler hat das neue Team schon verbreiten lassen: Im Gegensatz zu Boris Jelzin sei Schwarzenegger nüchtern.