Ein aktueller Fall gibt Vorwürfen, wonach die USA Terrorverdächtige in Länder mit Folterpraxis schieben, neue Nahrung.
washington. Maher Arar lebte 15 Jahre lang glücklich und zufrieden in Kanada - bis er im September 2002 zu einer Familienfeier nach Tunesien flog. Als der 33-jährige gebürtige Syrer über New York zurück nach Montreal fliegen wollte, begann für ihn ein Alptraum. Arar wurde von US-Behörden wegen Terrorverdachts festgenommen, nach Jordanien ausgeflogen, von dort nach Syrien, dann zehn Monate lang festgehalten und angeblich auch gefoltert.
Jetzt ist er wieder in Kanada und sorgt für einen handfesten Skandal. Der Fall des 33-jährigen gibt jenen Vorwürfen neue Nahrung, die Menschenrechtsgruppen seit Monaten erheben: Die US-Behörden sollen vermeintliche Terroristen bei mangelnder Kooperation bei den Verhören in Länder ausfliegen, die Folterung anwenden.
Anfragen dazu bei CIA und im Verteidigungsministerium bleiben unbeantwortet. Lediglich im Außenamt erklärt man, die Vereinigten Staaten "halten sich an die Gesetze und die Menschenrechte". Die nun angeprangerte Praxis war erstmals nach der Festnahme des Leibwächters von Osama bin Laden ins Gespräch gekommen.
Abdallah Tabarak war in Afghanistan festgenommen und nach Guantanamo Bay gebracht worden, ohne dass die US-Militärs wussten, welche Funktion der 43-jährige in der Terrororganisation hatte. Erst durch Hinweise von anderen Gefangenen wurde man auf Tabarak aufmerksam. Kurz darauf erfuhr die ganze Welt von marokkanischen Behörden, dass bin Laden dem Leibwächter sein Satellitentelefon gegeben hatte und die USA so auf eine falsche Spur brachte. Während Tabarak mit dem Telefon im afghanischen Gebirge herumkletterte, soll Osama bin Laden unbehelligt geflohen sein. Schnell wurde der Verdacht geäußert, die USA hätten den Marokkaner Tabarak nach Marokko ausgeflogen, wo er entsprechend vernommen worden sei. Beide Staaten dementierten. Es habe keine Folter gegeben.
Auch ein Bericht der "Washington Post" wurde dementiert: Demnach habe ein Geheimdienstmitarbeiter erklärt, dass die Versuchung groß sei, "diese Leute in anderen Händen zu haben, weil es dort andere Standards gibt und die Informationen bekommen, die wir nicht bekommen". Weiters dementierte die US-Regierung Berichte, wonach mit den Herkunftsländern von Gefangenen über eine Rücknahme verhandeln wird. Der Kanadier Maher Arar hatte Glück. Er wurde von Syrien Anfang Oktober nach Interventionen der kanadischen Regierung freigelassen.