Das Team um US-Präsident George W. Bush galt als dessen Stärke. Ein Jahr vor der nächsten Wahl zeigt es jedoch Schwächen.
washington. Sie waren stets George W. Bushs Vorzeige-Mannschaft, das politische Dream-Team sozusagen und der engste Beraterkreis: Vizepräsident Dick Cheney, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Doch von der Strahlkraft der frühen Präsidentschaft ist wenig geblieben.
"Dieses Team um sich zu scharen, war vermutlich eine der klügsten Entscheidungen von Bush", meint Thomas Mann anerkennend, obwohl der Politologe beim liberalen Brookings-Institut arbeitet und somit auf der anderen Seite des politischen Spektrums steht. Der Grundgedanke, mit konträren Charakteren eine möglichst breite Palette an Meinungen zu bekommen, sei gut.
Nur habe sich dieses Konzept mit der Zeit nicht bewährt: "Es ging oft nur noch darum, das zu sagen, was Bush hören wollte."
Am interessantesten ist Cheneys Rolle. Der 62-Jährige sei "der einflussreichste Vizepräsident in der Geschichte der USA", urteilt Politik-Historiker Stephen Hess. Allzu oft aber verursacht die Linie von Richard Cheney Schwierigkeiten - vor allem in der Irak-Politik. Unter Präsident Bush senior war er Verteidigungsminister im Golfkrieg 1991 und musste den Rückzug der Truppen anordnen. Nun soll Cheney die Arbeit jener geheimen Abteilung im Verteidigungsministerium wesentlich unterstützt haben, die Geheimdienstberichte zum Irak dramatisiert haben soll. Die Vorwürfe werden gerade vom Kongress untersucht.
Der Vizepräsident stellte auch immer wieder konkrete Verbindungen zwischen dem Irak und den Terroristen vom 11. September her, obwohl dafür die Grundlage fehlte. Selbst als die CIA öffentlich erklärte, man habe keine Hinweise für einen direkten Konnex, hielt Cheney weiter an seinen Aussagen fest. Schließlich musste US-Präsident Bush selbst seinen Vize korrigieren. Eine unangenehme Sache - nicht nur für Cheney, sondern auch für Bush.
Am stärksten an Glanz verloren hat aber zweifellos Verteidigungsminister Rumsfeld, der lange als wichtigstes Mitglied der Bush-Administration galt. Dem Minister mit dem groben Image hat am meisten geschadet, dass sein Ressort nicht für die Zeit nach dem eigentlichen Krieg im Irak geplant hat. Obwohl Experten auf vorhersehbare Probleme hingewiesen haben, ignorierte das Pentagon offensichtlich die Warnungen.
Vor wenigen Wochen entzog Bush seinem einst so engen Vertrauten schließlich die Zuständigkeit für den Irak und übertrug sie Condoleezza Rice. Daraufhin verlor Rumsfeld die Contenance, trug den Konflikt öffentlich aus und beging in den Augen Bushs eine Kardinalsünde. Der Präsident hatte es nämlich bis dahin stets geschafft, alle Differenzen intern zu regeln und den Eindruck eines harmonischen Teams zu vermitteln. Beobachter bezweifeln, dass Rumsfeld einem Kabinett Bush II noch angehören wird. Politologe Mann würde einen Verbleib Rumsfelds für "ungewöhnlich" halten und den Abgang des 71-Jähringen in die Pension noch vor der Präsidentenwahl 2004 nicht ausschließen.
Rumsfelds schärfster interner Kritiker, Außenminister Colin Powell, wiederum soll Mitarbeitern bereits im Sommer erklärt haben, für eine zweite Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Offiziell wird dementiert. Powell war meist den "Falken" Cheney und Rumsfeld unterlegen. Vor allem die Konflikte mit Rumsfeld sind Legion. Bei einem Treffen hielten Kameras zwei erzürnte Minister fest, die mit erhobenen Zeigefingern artikulierten und scheinbar nur von der in der Mitte stehenden Rice auseinander gehalten wurden.
Die Nationale Sicherheitsberaterin ist denn auch eine ernste Anwärterin auf die Nachfolge Powells. "Condi", wie Bush sie nennt, hat neben Cheney den größten Einfluss auf die Entscheidungen des Präsidenten und steht von den "glorreichen Vier" am unbeschadetsten da. Bush könne es sich nicht leisten, auf sie zu verzichten, meint Hess. Sie sei nicht nur eine sehr gute und erfahrene Politikerin, sie habe auch einen Vorteil: "Sie ist eine Frau."