USA: Die Inszenierung eines Präsidenten

George W. Bush wird bei seinen Auftritten "verkauft" wie kein anderer Präsident zuvor. Ein Blick hinter die Kulissen.

WASHINGTON. Der Thanksgiving-Tag 2003 wird den Amerikanern in Erinnerung bleiben. Der Blitzbesuch von George W. Bush in Bagdad war eine der wagemutigsten Aktionen in der Geschichte der US-Präsidentschaft. Aber es war nur das letzte Beispiel in einer Reihe hervorragender Inszenierungen des Weißen Hauses, um den Präsidenten zu "verkaufen".

Denkt man an die Regierungszeit von Bush, tauchen drei Bilder auf: Der Präsident neben einem Feuerwehrmann auf einem Autowrack nach dem 11. September 2001 in New York; Bush im Kampfanzug auf dem Flugzeugträger Abraham Lincoln im Mai dieses Jahres; und jetzt ein Präsident, der seinen Soldaten in einem Kriegsgebiet Truthahn serviert. Alle Szenen haben eines gemeinsam: Sie waren inszeniert, arrangiert für TV-Kameras, um die Imagewerte des Präsident zu steigern.

Hinter den Kulissen sind es neben dem Kommunikationschef des Weißen Hauses, Dan Bartlett, zwei Experten, die sich darum kümmern, dass der Präsident möglichst gut im Fernsehen aussieht: Scott Sforza, ein früherer Produzent des Fernsehsender ABC, der alle Bush-Auftritte von der Auswahl des Hintergrunds bis zur Krawatte plant; und Bob DeServi, einst NBC-Kameramann, jetzt im Weißen Haus für die wirkungsvollste Beleuchtung und Positionierung der TV-Kameras zuständig. "Wir achten nicht nur darauf, was der Präsident sagt, sondern auch darauf, was das amerikanische Volk sieht", erklärte Bartlett offen in einem Interview. Schließlich muss man "die Botschaft" innerhalb von Sekunden dem TV-Publikum näher bringen.

Um das zu erreichen, hat man die Hintergrund-Botschaften perfektioniert: Als Bush etwa seine Wirtschaftspläne verkündete, war hinter ihm gut sichtbar "Helping Small Business" zu lesen. "Das, was rund um den Kopf zu sehen ist, ist genauso wichtig wie der Kopf selbst", meint Mark McKinn, PR-Berater in Washington.

Das Weiße Haus hat das verstanden. Bei einer Ansprache zur Steuerreform bat das Bush-Team beispielsweise Personen, die neben dem Präsidenten auf der Bühne standen, ihre Krawatte abzulegen. Sie sollten mehr wie einfaches Volk aussehen, auf das die Rede des Präsidenten abzielte. "Sie verstehen es, das Fernsehen für sich arbeiten zu lassen", erklärt anerkennend Michael Deaver, der für die Auftritte des "großen Kommunikators" Ronald Reagan zuständig gewesen war. "Sie haben aus den Fehlern von Bush senior und Bill Clinton gelernt und haben die Inszenierung des Präsidenten zur Kunst erhoben."

Von Fehlern sind die Strategen im Weißen Haus aber doch nicht gefeit: Die sonst so gut organisierte Rede von Präsident Bush auf dem Flugzeugträger erwies sich im Nachhinein als Rohrkrepierer. "Mission Accomplished", war auf einem Spruchband im Hintergrund zu lesen. Doch die Mission war alles andere als erfüllt. Mittlerweile sah sich sogar der Präsident genötigt, auf diesen vielkritisierten Slogan einzugehen. Vor Journalisten meinte Bush, die Aussage hätte der Mission des Flugzeugträgers gegolten, der nach Monaten auf See wieder in den Heimathafen zurückgekehrt sei.

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