Am späten Sonntagabend lag die Zentrumspartei bei neuesten Hochrechnungen klar vor den Sozialdemokraten von Premier Lipponen.
HELSINKI (APA/STT). In Finnland zeichnet sich bei den Parlamentswahlen ein überraschend klarer Sieg der oppositionellen Zentrumspartei ab. Nach einem Auszählungsstand von 52,3 Prozent der Stimmen hat sich der Vorsprung der Partei von Anneli Jäätteenmäki am späten Sonntagabend auf 7,3 Prozentpunkte vergrößert. Das Zentrum hält derzeit bei einem Stimmenanteil von 31,3 Prozent gegenüber 24 Prozent der Sozialdemokraten von Ministerpräsident Paavo Lipponen. Das würde für die Mitte-liberal-orientierte Zentrumspartei ein Plus von 18 Mandaten im Parlament bedeuten - nach finnischen Maßstäben ein Erdrutsch-Sieg.
"Neun Jahre Sibirien sind lehrreich"
Relativiert wird das Zwischenergebnis durch die Tatsache, dass es sich dabei nicht um eine Hochrechnung handelt. Dennoch sprechen erste Kommentare in Finnland bereits von einem bevorstehenden Wahlsieg der Opposition. Eine Hochrechnung des öffentlichen Fernsehsenders YLE nach Auszählung der Hälfte der Stimmen deutet ebenfalls auf einen Sieg der Zentrumspartei hin. Vertreter der Zentrumspartei, gaben sich in ersten Reaktionen noch vorsichtig. "Neun Jahre Sibirien sind lehrreich", scherzte etwa der Zentrumspolitiker Olli Rehn mit Blick auf die neun Jahre Oppositionsrolle seiner Partei.
Die anderen Parlamentsparteien verzeichnen bisher großteils negative Ergebnisse. Wenn der Trend anhält, würde das Ergebnis bedeuten, dass die Zentrumspartei als klare Nummer eins in der Pole-Position in die Koalitionsverhandlungen gehen würde. Im Wahlkampf hatte die Zentrumspartei keine Präferenz für eine der beiden anderen großen Parteien - die Sozialdemokraten und die konservative Sammlungspartei erkennen lassen. Für eine Mehrheit im Parlament ist vermutlich abermals mindestens die Zusammenarbeit von zwei großen Parteien notwendig.