Top-Thema: Schwarzeneggers Umgang mit Frauen

Sollte Arnold Schwarzenegger als Gouverneur aus der Recall-Wahl hervorgehen, wäre er der zweite Österreicher in einem solchen US-Amt.

Los angeles. Für manche ist das, was morgen, Dienstag, in Kalifornien stattfindet schlicht ein Putsch. Da soll ein Gouverneur, der erst Ende vergangenen Jahres ins Amt gewählt wurde, wieder aus dem Amt gewählt werden - nicht etwa, weil er ein schweres Verbrechen begangen oder sich mit Steuergeld eine Insel in der Karibik gekauft hat, sondern weil er unpopuläre Entscheidungen getroffen hat.

Am 7. August gab dann Arnold Schwarzenegger seine Kandidatur zum Gouverneur von Kalifornien bekannt, und auf einmal erhielt der Urnengang im westlichsten Bundesstaat der USA in den amerikanischen Medien fast so viel Platz wie eine Präsidentschaftswahl. Die Chancen stehen gut, dass Schwarzenegger neuer Gouverneur von Kalifornien wird. Österreich würde damit bereits zum zweiten Mal den Chef eines amerikanischen Bundesstaates stellen: Von 1777 bis 1778 war der in Salzburg aufgewachsene John Adam Treutlen Gouverneur von Georgia.

Manche andere Parallelen, zum Beispiel jene mit Ronald Reagan, der ebenfalls den Aufstieg aus billigen Westernfilmen über das Gouverneurs-Amt bis zum Präsidenten der Vereinigten Staaten schaffte, verbieten sich. Die US-Verfassung schreibt nämlich vor, dass der Präsident in den USA geboren sein muss. Allerdings diskutiert man im Kongress bereits, ob solche Einschränkungen noch zeitgemäß sind.

In der Schlussphase des Wahlkampfs tauchte aber eine andere Parallele auf - jene zum ersten Präsidentenwahlkampf Bill Clintons: Anschuldigungen sexueller Belästigung, die Ehefrau setzte zur Verteidigung an. Wie Hillary Clinton in einem TV-Interview 1991, so sagte Maria Shriver, Nichte des demokratischen Präsidenten John F. Kennedy, am Samstag: Die Wähler sollten selbst entscheiden, ob sie den Anschuldigungen mehr Glauben schenkten oder ihr, seiner Ehefrau. Von schmutzigen Journalismus war damals und ist jetzt die Rede.

Bei einer Wahlveranstaltung am Samstag kam es zu Auseinandersetzungen: Mitglieder der Frauengruppe "Code Pink" schrieen: "Nein zu Gouverneur Schwarzenegger", Anhänger des Kandidaten skandierten: "Arnold, Arnold". Schwarzenegger zeigte sich bei den Wahlveranstaltungen demonstrativ umringt von Frauen und vor dem Plakat: "Besonders Frauen für Schwarzenegger".

Eine dritte Parallele drängte sich dem Besucher einer Wahlveranstaltung am Freitag auf, nachdem Medien von der angeblichen "Bewunderung" Schwarzeneggers für Adolf Hitler berichtet hatten: "Österreichische Künstler" sollten nicht regieren, stand auf einem Plakat. Auch Hitler sei, so meinte der Transparentträger laut Agenturen, vor seinem Gang in die Politik "Künstler" gewesen.

Warum aber gibt es überhaupt diesen "Recall"? Der Unmut über den amtierenden Gouverneur Gray Davis, unter dessen Regentschaft ein Überschuss von neun Milliarden Dollar zu einem Defizit von 38 Milliarden Dollar wurde, erreichte durch unpopuläre Entscheidungen - wie etwa eine Verdreifachung der Autosteuer - einen einmaligen Höhepunkt. Die Republikaner witterten ihre Chance, den Bundesstaat zurückzugewinnen. Darrell Issa, Abgeordneter zum Repräsentantenhaus, zahlte für die Abwahl-Kampagne 1,7 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen. Am 24. Juli konnte er schließlich mehr als 1,2 Millionen Unterschriften vorlegen.

Schwarzeneggers ernsthafte Konkurrenten auf der Liste der 133 Kandidaten sind nur sein republikanischer Parteifreund Tom McClintock und der stellvertretende Gouverneur Cruz Bustamante. Als Motiv für seine Kandidatur hatte Schwarzenegger angegeben: "Kalifornien hat mir so viel gegeben, jetzt möchte etwas zurückgeben."

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